Band 
(1815 - 1854)
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Reformen des Papstes.

f3. Kap.

welcher unter dem Einfluß der Klöster stand, und auf die Polizeimann-schasten. Der Tag des Ausbruchs war aus den 17. Juli 1847 festge-setzt, wo das Amnestiefest in Rom gefeiert werden sollte. Man wollte sichunter die Gruppen mischen, in ultraliberaler Weise die Massen aufreizen,ihre Anforderungen an die Regierung auf die Spitze zu treiben, sodaßdiese den Geschmack an Reformen verlieren und zur Stillung der Unzu-friedenheit endlich die Intervention der Fremden nachsuchen sollte.Die Verschwörung wurde durch Ciceruacchio entdeckt und das Amnestie-sest abbestellt. Lambruschini floh und dreiundachtzig Verschwörer wander-ten in die Engelsburg, wo ihnen der Prozeß gemacht wurde. Natürlichsteigerte sich die Begeisterung für Pins IX., zugleich aber auch derHaß gegen die Oesterreicher, die um die Verschwörung gewußt habensollten. Denn am 17. Juli 1847 überschritten sie den Po und besetztenmehrere außerhalb der Citadelle liegende Stadttheile von Ferrara, waseinen lebhaften diplomatischen Streit zwischen dem heiligen Stuhle undder Wiener Staatscanzlei hervorrief, der jedenfalls zum Ausbrnch derRevolution in der Lombardei beigetragen hat. War auch das formelleRecht auf Oesterreichs Seite, so nahm doch die öffentliche Stimme diesesVerfahren als Kriegserklärung gegen die italienische Nationalität auf.Der Papst ließ ein Lager bei Forli abstecken; die Mönche rüsteten neueKreuzfahrer aus; Sardinien bot dem Papste Hilfe; der Großherzog vonToscana entließ sein unpopuläres Ministerium; der König von Neapel be-willigte einige Reformen; hier und da züngelten in kleineren Tumulten dieFlammen eines verborgenen Feuers empor. Am 4. September 1847 er-ließ der Großherzog von Toscana ein Decret wegen Errichtung von Bür-gergarden. Karl Albert, der ehemalige Carbonari, nahm am 11. Okto-ber ein volkssreundliches Ministerium an, führte Oeffentlichkeit und Mnnd-lichkeit im Criminalprocesse ein, hob die Patrimonial- und Specialgerichteauf (29. October), setzte den 26. November einen Caffationshof ein undgab ein Preßgesetz. Am 3. November schloffen der Kirchenstaat, Toscana,Lncca und Sardinien einen Zollverein ab, und forderten den König beiderSicilien und den Herzog von Modena zum Beitritt auf. Oesterreich warmithin für seine italienischen Provinzen grundsätzlich ausgeschlossen. DerHerzog von Modena hielt jedoch treu zu Oesterreich und ging. nachdemam 22. December 1847, auf seinen Wunsch, österreichische Truppen inModena eingerückt waren, am 24. December einen Vertrag mit Oester-reich zu gegenseitiger Aufrechthaltung des inneren und äußeren Friedensund der gesetzlichen Ordnung ein. Jener Einmarsch der Oesterreicher rührtevon dynastischen Rücksichten her, die dem Wiener Cabinet seine Stellungin Italien noch mehr erschwerten. Nach dem Tode der Herzogin von Parmasollte dieses an Lucca, Lncca an Toscana, und einige toscanische Bezirke(Fivizzano u. s. w.) an Modena kommen. Der Unruhen müde, dankte der