Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
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295
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3. Kap.) Stellung Oesterreichs zu seinen italienischen Staaten. 295

Herzog von Lucca ab (4. Oktobers und gab sein Land an Toscana, wo-für dieses Fivizzano u. s. w. an Modena abtrat (9. October). Da dieseGebiete aber lieber bei Toscana geblieben wären, so rief der Herzog vonModena die Oesterreichs zu Hilfe, welche am 7. November die widerspen-stigen Einwohner gewaltsam unterwarfen. Der Herzog amnestirte sie am

4. December. Am 18. December starb die Herzogin von Parma und derfrühere Herzog von Lucca, Karl Ludwig, trat vertragsmäßig die Regie-rung von Parma an (26. December), worauf er von Toscana noch denBezirk von Pontremoli erhielt und Guastalla an Modena gab (8. Ja-nuar 1848). Die Parmesen verriethen jedoch eine so gründliche Abnei-gung gegen den Herzog von Lucca, daß dieser sich nach österreichischer Hilfeumsah. So zwangen die Umstände Oesterreich, seine Protektion mehr undmehr auszudehnen und das erregte Nationalgefühl zu beleidigen, währendder ehrgeizige Karl Albert nur von der Krone Italiens träumte. Ist manüberhaupt nicht der Meinung, daß Oesterreich seine italienischen Staatenaufgeben muß, so wird man bekennen, daß der Armeecommandant, Mar-schall Radetz ky, und der Vicekönig Rainer ihre Macht weder mis-brauchten, noch die Italiener herausforderten. Man kann zweifeln, ob sienicht klüger gehandelt hätten, die wohlbekannten vornehmen Leiter derlombardischen Verschwörer bald festzunehmen. Jedenfalls zeigte sich Met-ternich's innere Politik hier von einer schwachen Seite. Welche Früchtetrug es, auf die Militairkräste allein zu trauen und keine Concession inunruhigen Zeiten zu machen? Und wenn Oesterreich noch in der Lage ge-wesen wäre, den Italienern angenblicklichen Widerstand zu leisten. Ra-detzky hatte große Noth gehabt, daß er mit Geld und treuen Mannschaf-ten unterstützt wurde, denn alle Festungen, Verona ausgenommen, warenverfallen, die Officiere größtentheils national gesinnt, die Beamten imBunde mit der Nationalpartei, der Erzbischof Romilli von Mailand,den die Regierung auf den Wunsch des Volks von Cremona nach Mai-land befördert, selbst ein Anhänger der Revolution; der italienische Ge-lehrtencongreß, den Oesterreich 1847 in Venedig bewirthete, barg fast alleReformsreunde; der Vertraute des Vicekönigs, der Podesta Conte Ca-sati, war ein Hauptverschworer; dazu befand sich die demokratischeSchweiz in der Nähe, welche eben den Sonderbund gezüchtigt hatte, undwegen Oesterreichs feindseliger Haltung gar nicht übel Lust hatte, in dieLombardei einzubrechen; endlich stand Livoruo, durch Muerazzi aufge-regt, in Gähruug, und Genua schwamm in einem Meere von Wonne, weiles die Jesuiten ausgetrieben hatte. Feinde überall, Außen und Innen —das waren die Früchte der Metternich'scheu Politik. Das Cafe Cova inMailand war der Mittelpunkt des revolutionairen Adels; von dort auswurden die Befehle durch Boten nach allen Richtungen verbreitet. Am 1.Januar 1848 verbot dieses Nevolutionscomite das Rauchen derCigarren