296 Aufstände in Mailand, Pavia, Padua und Palermo. (3. Kap.
und das Spielen im Lotto; die Soldaten, welche rauchten, sahen sich thät-lichen Insulten und dem Meuchelmord ausgesetzt. Am 3. Januar sam esin Mailand zu einem förmlichen Anflanf, und am 8. Februar fanden inPavia und Padua Angriffe der Studenten auf die Besatzung statt, welchedie Schließung der Universität herbeiführten. In Venedig wurde eine De-monstration im Theater eingeleitet (15. Februar), indem die Cerito initalienischen Farben die Sicilienne tanzen mußte. Als die Polizei dieWiederholung des Tanzes untersagte, rief eine Stimme: „Das Spiel istzu Ende!" und das ganze Pnblicum räumte das Haus. — JeneDemon-stration fand zu Ehren der neapolitanischen Verfassung statt. Am 12.Januar 1848 war nämlich der Aufstand in Palermo ausgebrochen, dersich bald über die ganze Insel verbreitete. Die vornehmsten Familien desLandes standen an der Spitze und forderten die Trennung Siciliens vonNeapel, Preßsreiheit, Bürgergarde, die Konstitution von 1812, einenVicekönig und Municipalverfassung. Ferdinand II. sandte seinen Bruder,den Grasen von Aquila, nach Palermo als Vicekönig ab, mit dem frei-lich sehr zweideutigen Auftrage, Palermo zu unterwerfe». Dem Bombar-dement der siciliauischen Hauptstadt mußte jedoch auf den Protest derfremden Consuln Einhalt gethan werden. Auch tu Neapel fing es au, zugährcn; Bürger und Beamte zeigten die italienischen Farben; am 22.Januar tönte das neapolitanische Nevolutionssigual: „ku^l ku^l" durch dieStraßen; die Läden wurden geschlossen; Truppen durchzogen die Hauptstadtund umstellten das Schloß. Der russische Gesandte, Graf Chreptowitsch,sprach zwar dem Monarchen Muth ein, aber von den Balkons der Re-gierungsgebäude herab flatterten bald die Tricoloreu, und die Forts vonNeapel sandten einander nur friedliche Alarmschüsse, nicht aber der Stadtfeindliche Kugeln zu. Der König proclamirte am 29. Januar eine Ver-fassung, die den Wünschen der Bevölkerung genügte, und am l. Februareine allgemeine Amnestie. Der verhaßte Polizeiminister Delcarettowurde ins Ausland geschafft. Die Haltung der finster blickenden Lazza-roni und der Mönche mischte indessen einigen Wermuth in den Freudenbecherder Neapolitaner. Betrübend lauteten namentlich die Nachrichten aus Sici-lien, das keine Geneigtheit verrieth, sich an Neapel wieder anzuschließen,sondern eben den Kamps gegen die letzte Position der neapolitanischenTruppen, die Citadelle von Messtna, begann. Ruggiero Settimo,der Präsident des Generalcomitös in Palermo, erklärte am 3. Februardem Schiffscapitaiu Jauch, welcher das Amnestiedecret und die Verfassungüberbrachte: „Stellten werde die Waffen nicht niederlegen, bevor nicht einin Palermo versammeltes Parlament die Verfassung, welche Sicilien zubesitzen niemals aufgehört habe, welche 1812 umgestaltet und noch 1816bestätigt worden sei, den gegenwärtigen Zeitverhältnissen angepaßt habe,"