Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
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297
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3. Kap.)

Kriegsvorbereitungen.

297

Die italienischen Regierungen, welche sich der Reformbewegung an-geschlossen hatten, mußten ebenfalls Verfassungen geben. Sardinien thatdies am 8. Februar 1848, der Großherzog von Toscana am 17. Fe-bruar, Monaco am 11. Februar; Pins IX. nahm an die Stelle von dreientlassenen geistlichen Ministern wenigstens drei weltliche an und versprach,„nachzudenken, auf welche Weise sich, unbeschadet seiner Pflichten gegen dieKirche, jene bürgerlichen Institutionen, die er gegründet habe, auf dasNützlichste entwickeln und verbessern ließen." Ganz Italien, vom Lazza-roni bis zum Fürsten, der Beichtstuhl und das Katheder, die Presse unddie Kanzel waren theils durch das italienische Nationalgesühl, theils durchdie Reform verbrüdert gegen Oesterreich, welches die Abhänge der Alpenmit seinen gebräunten Grenzern, seinen schmucken Tyrolerschützen und sei-nen feurigen Ungarn bedeckte, während Sardiniens wohlgerüstetc, tapfereArmee, in einer Stärke von 60,000 Mann mit 300 Kanonen, an denGrenzen der Lombardei stand und die Kreuzfahrer, Freischaaren und Bür-gergarden von Süden her die Lombardei bedrohten. Oesterreich wies dieConcessionen, welche es machen sollte, ab und griff zur Strenge. Am 22.Februar verkündete Radetzky das Standrecht für die Lombardei, Venedigund Modena. Der Würfel war gefallen, der italienische Krieg entschieden.Da kam die Februarrevolution von Paris und die Proclamation derfranzösischen Republik. Metternich hoffte, daß die italienischen Regierun-gen zur Besinnung über ihr Unternehmen kommen würden. Wie gernhätten sie dies gethan, wären ihnen nicht die Zügel schon entschlüpft ge-wesen. Auch der Adel hätte gern, aus Furcht vor dem Kommunismus,wieder eingelenkt.

34. Portugal. Saldanha. Costa Cabral.

Das constitutionelle Leben Portugals bietet einen traurigen Anblickdar. Die Masse des portugiesischen Volkes ist gleichgiltig, oder mignelistisch,der Bürgerstand beschränkt und ohne feste Gesinnung, der Adel und die Ge-lehrten von grenzenlosem Ehrgeiz beseelt, die Königin war mehr den Pflich-ten einer guten Mutter, als deneu einer Regentin ergeben, der König vondem Staatsrath Dietz beherrscht und der Landessitten und Verhältnissenicht recht kundig; endlich übte die Camarilla einen entscheidenden Einflußauf die öffentlichen Angelegenheiten. Zwar giebt es auch in Portugal Par-teien, welche gewisse politische Principien vertreten; sie sind aber mehr eineschattenhafte Nachbildung englischen und französischen Wesens, als wirk-liche , lebensvolle Erscheinungen, und dienen dem Ehrgeiz als Handhabefür Ministergelüste. Darum wechseln wohl die Personen in der Regierung,aber nicht die Systeme. Ueberdies wird der Kampf um die Herrschaft wem-