312 Rußlands Lheilungsgclüste der Türkei. s3. Kap.
schädigen verspricht. Die Kriege in Afghanistan, mit den Sikhs und inChina wurden glücklich zu Ende geführt, und das gute Einvernehmen mitFrankreich erhalten. Mit dem Zollverein suchte sich Peel zu vergleichen,wie denn der König von Preußen die Einladung zur Taufe des Prinzenvon Wales annahm (1842). Wichtiger wurden die Verhandlungen, welcheKaiser Nikolaus bei seiner Anwesenheit in London 1844 mit Aber-been über das türkische Reich pflog und die erst im Jahre 1854 bekanntgeworden sind. Graf Nejselrode brachte das Resultat dieser Unterredun-gen zu Papier und überreichte es in Form einer Denkschrift dem britischenCabinet. Dieses Aktenstück geht von der Betrachtung aus, daß Rußlandund England es im gemeinsamen Interesse halten, die Unabhängigkeitund Integrität der Pforte zu erhalten. Man müsse sie also in Ruhe lebenlassen, und nicht durch diplomatische Belästigungen beunruhigen. Dabeiseien aber zwei Dinge nicht zu übersehen. Die Pforte, welche auf diewechselseitige Eifersucht der Cabinete speculire, habe das Bestreben, sichden mit anderen Mächten abgeschlossenen Verpflichtungen zu entziehen.Daher sei es im Interesse Aller, die Pforte ihr Unrecht fühlen zu lassen.Eine zweite Schwierigkeit sei, die auf das muselmännische Gesetz begrün-dete, der sonverainen Autorität des Sultans gebührende Achtung mit denRücksichten in Einklang zu bringen, welche die Interessen der christlichenUnterthanen desselben verdienen. Darum sollten die Vorstellungen, welchedie Gesandten bei der Pforte über die Bedrückungen der Christen mach-ten, das Gepräge vollständiger Einstimmigkeit haben, ohne den Charaktereines ausschließenden Uebergewichts zu tragen. Natürlich müßten auchdie Christen in Unterwürfigkeit gegen den Sultan erhalten werden. Den-noch könne man sich nicht verhehlen, wie viele Elemente der Auflösungdieses Reich in sich trage. Da es der menschlichen Voraussicht aber nichtgegeben sei, eine Verfahrungsweise für diesen oder jenen eintretenden Fallim Voraus festzustellen, so würde es vorzeitig sein, Wechselfälle, die sichmöglicherweise ereignen können, in Berathung zu ziehen. Die Gefahr einerErschütterung der Türkei würde um vieles verringert, wenn Rußland undEngland über das Verfahren einverstanden seien, welches sie zu beobachtenhätten. Ein solches Einverständniß würde auch der vollständigen Zustim-mung Oesterreichs begegnen, denn zwischen diesem und Rußland besteheschon eine völlige Uebereinstimmung in den Grundsätzen bezüglich der tür-kischen Angelegenheit. Trüge sich also etwas Unerwartetes in der Türkeizu, so würden sich Rußland und England vorerst unter einander über Dasverständigen, was sie gemeinsam zu thun hätten. Wenn England, alsvorzügliche Seemacht, im Einklang mit Rußland und Oesterreich handele,sei anzunehmen, daß Frankreich sich in der Nothwendigkeit befinden werde,sich dem zwischen Petersburg, London und Wien vereinbarten Verfahrenzu fügen. Auf diese Art würde der Weltfriede erhalten werden. Aber-