Band 
(1815 - 1854)
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Kriege in Afghanistan.

(3. Kap.

lehnten. Dost Mohamed hatte viel mit Stillung innerer Unruhen zuthun, und mußte zuletzt gegen die türkischen Usbeken ins Feld rücken.Als die Engländer den ersten Krieg am Sutledsch gegen die Sikhs eröff-neten, blieb Dost Mohamed neutral, obwohl er vom persischen Schahaufgemuntert wurde, die Sikhs zu unterstützen, eine Aufforderung, welchevon Petersburg aus eingeflüstert worden sein soll. Dafür hatte Dost Mo-hamed die Pässe stark befestigen und mit schwerem Geschütz versehen lassen.Am zweiten Krieg im Pendschab betheiligte sich Dost Mohamed nur mitfünfzehnhundert Reitern. die unter dem Oberbefehl seines Sohnes stan-den. Nach Ueberwältigung der Sikhs flohen die Afghanen so rasch durchden Keyberpaß, daß sie nicht eingeholt werden konnten. Durch den Paßaber mochten ihnen die Engländer nicht folgen. Im afghanischen Kriegeerkannten die Engländer erst recht die Bedeutung des Sind, das ihnenals Depot- und Operationsbasis gedient hatte. Sie suchten daher mit denBeludschen Händel wegen der Jndusschiffsahrt. Sir Charles Napiersiegte bei Miani und Hyderabad (1843), worauf die ostindische Compag-nie das Sind einzog. Gleiches Schicksal theilte der Marattenstaat Gwa-lior, welcher 1844 seine Unabhängigkeit verlor. Jetzt fehlte dem indo-britischen Reiche nur noch das Land der Sikhs, um ein abgerundetes, vonnatürlichen Grenzen beschütztes Gebiet zu sein. Ohne den Besitz deS Pend-schab kann England für seine Besitzungen in Ostindien keine Sicherheit er-langen und seine Strenge nicht mildern. Durch den Paß von Peschawerbeherrscht es dann Afghanistan, und im Besitz des Indus vermag es, diesegroße Wasserstraße den Gefahren der Handelsstörung zu überheben. End-lich bieten drei Flußbezirke des Landes günstige Gelegenheit zu Canal-verbinduugen, wodurch das Land bewässert und aus einer Wüste, was esjetzt ist, in einen Garten umgewandelt werden kann.

Die Sikhs bewohnen das Pendschab, gehören zur Familie der Hindu,bekennen sich aber zu der von Nanik (1409) gestifteten, rein deistischen,mit wenig Ceremonien versetzten Religion. Der Kamps gegen die Moha-medaner, aus dem sie zuletzt siegreich hervorgingen, hat die Sikhs zu einemreligiös-politischen Bundesstaat vereinigt, der erst unter RundschitSing (S. 239 f.) auS seiner Dunkelheit hervortrat. Nach Rundschit'STode regierte sein schwacher, der Wollust ergebener Sohn, Kark Sing,bis zum 6. November 1840. Aus ihn folgte der kräftige Nu NehalSing. wurde aber, zum Glück für die Engländer, nach einigen Tagen voneinem einstürzenden Thore erschlagen. Die Vornehmen wählten nun KarlsWitwe, die Rani Cendkaur, und setzten ihr einen Verwaltungsrath zurSeite, dessen Seele anfangs Dihan Sing war, bis er von seinem BruderGulab Sing und dem JemedarKoschalSing verdrängt wurde. Der Ver-triebene flüchtete zu dem Kronprätendenten Shyr Sing, und stachelte ihnzu einem Angriff aufLahore an. Als letzterer glückte ( 20 . Januar 1841),