316
Kriege mit den Sikhs.
j3. Kap.
und auch diese mußten am 14. wieder aufgegeben werden, weil ShyrSing mit fünftausend Sikhs zu Mulradsch überging. Nun verbreitetesich dieEmpörung immer weiter; besonders schmerzlich für die Briten warder Abfall von Peschawer. Die Compagnie bot jetzt alle Kräfte auf. Am13. November 1848 traf der Oberbefehlshaber, Lord Hugh Gough,selbst in Lahore ein, stellte sich an die Spitze von 40,000 Mann undgriff mit Löwenmnth die Feinde am Tschenab an, in welcher Schlacht erzwar einige Unfälle erlitt, die Vertreibung der Sikhs vom Flusse abererreichte. Die Stadt Multan fiel am 2. Januar 1849 und am 21. er-gab sich auch die Citadelle, in welcher Mulradsch selbst befehligt hatte.Ehe noch Hugh Gough die vollständige Gewißheit von dem Falle Mul-tans hatte, marschirte er Sbyr Sing entgegen, der sich auf einem mitSumpfdickicht bewachsenen Felde diesseits des Dschelum (bei Ruffur) ver-schanzt hatte, und griff so unvorsichtig an, daß seine ganze Schlachtord-nung in Verwirrung kam. Nur die eiserne Disciplin der englischen Trup-pen hielt das Gefecht bis zumAbend, wo Gough den Kampf abbrach (13.Januar). Einen Monat lang standen sich die beiden Heere unthätig ge-genüber, bis auf einmal die Sikhs verschwanden und nach der Stadt Gud-scherat im Rücken der Engländer marschirten. Lord Gough zog ihnennach und griff sie dort am 21. Februar an. Auch hier folgte Gough wie-der seiner alten Gewohnheit, sich in das dichteste Kampsgetümmel zu stür-zen und mit dem Säbel einzuhauen. Wenig fehlte und er wäre gefangenworden. Die schwere englische Artillerie zielte indeß so gut, daß die Sikhsgeworfen wurden und fast ihr ganzes Geschütz und Lager einbüßten. DerMuth der Sikhs und Afghanen war gebrochen. General Gilbert verfolgtedie Feinde bis Peschawer, konnte sie aber nicht erreichen. Shyr Sing undsein Sohn Tschuktur Sing ergaben sich am 14. März 1849. DasPend-schab wurde nun dem englisch-indischen Reiche einverleibt und erhielt eineRegierung aus drei Engländern, Oberst H. Lawrence, F. Lawrence undMansell. So stehen die Engländer wieder an den Thoren Afghanistans.Erst die Zukunft wird lehren, ob ihre Position sie nicht zwingen wird,auch dieses Reich in Besitz zu nehmen. Bis jetzt unterstützten die Eng-länder Dost Mohamed, damit er sich Afghanistan unterwerfen und eineVormauer gegen den russischen Einfluß bilden könne. Im Jahre 1850überschritt Dost Mohamed zum zweiten Mal den Hindukusch, um sich amOxus festzusetzen. Zu gleicher Zeit hat er angefangen, sich in die innerenAngelegenheiten des herrenlosen Herat einzumischen. Persien, Bokhara,Dost Mohamed, Rußland und England streben gleichmäßig nach diesemJuwel des Handels, der hier seine Güter aus Westpersien, Turkestan undIndien zusammenführt. Rußland hat 1851 Asterabad in Besitz genom-men und operirt den Atrakfluß auswärts nach Medsched und Herat, in-dem es die Perser glauben läßt, daß die Russen Herat für den Schah in