Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
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335
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3. Kap.)

Frankreich im Jahre 1846 und 1847.

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ekelhafte Proceß des „Tour du Nesle", der greuliche Maitresseneinfluß,der fich von den Cabineten der Minister, Generale und Präsecten bis indie Stuben der Secretaire und Municipalgardisten verbreitete, die dasStaatswohl bedrohenden Concessionen von Eisenbahn- und Canalbautenan Rothschild und mehrere Capitalistengesellschaften, hatten das WortTugend längst zu einem lächerlichen Worte gemacht. Uneigennützigkeit galtfür Unverstand. Der Dienst des goldenen Kalbes drang in alle Familien;man spielte aus der Börse, trotz des Verbots, denn auch die Ministerspielten ganz offenkundig. Der Gewinn wurde vergeudet; bei Verlustengriff man zu Betrügereien, oder zur Pistole. Ja so niederträchtig machtedieses jämmerliche Treiben die Menschen, daß damals die ersten Beispielevorkamen, daß Leute, die nicht den Muth hatten, sich selbst umzubringen,unschuldige Menschen, welche harmlos dem Schauspiel zusahen, tödteken,um durch die Guillotine aus der Welt geschafft zu werden. Zu dieser ent-nervten Classe von Leuten gehörte auch der Königsmörder Henry, deram 29. Juli 1846 auf Louis Phlilipp schoß, aber glücklicherweise, wieder rachsüchtige Förster Lecomte (am 16. April), fehlte. Die öffent-liche Sicherheit war durch Gauner und offenen Straßenraub gefährdet.Ganze Diebesbanden plünderten die Dörfer und die Reisenden. Brot-tumulte fielen fast in allen Städten vor. Die Kammern hatten wohl 300Millionen Francs zur Beförderung der Eisenbahnagiotage, aber keine einzigefür das klägliche Elend des Jahres 1847. Schmachvoll war die eingeriffeneUnsicherheit bei Versendung von Geld und Werthen durch die Post, ein-zig die Erklärung mehrerer Banken, keine Werthe mehr mit der königlichenPost zu verschicken. Zugleich begannen im Januar 1847 drei große Cri-minalproceffe gegen betrügerische Beamte, in Rochefort gegen vierunddrei-ßig Angeklagte, in Toulon gegen eine nicht viel geringere Anzahl, in Pa-ris gegen einen hochgestellten Mann, der den Staat um fast eine halbeMillion Francs betrogen hatte. Der Rath und Generalsecretair des obe-ren Loire-Departements, Tu ja, reichte im Sommer seine Entlassung ein,und erklärte dabei schriftlich an den Präsecten, daß der schamlose Nepo-tismus, die Bestechlichkeit, Käuflichkeit und Habsucht, die allenthalben herrsch-ten , die schmachvolle Vergeudung des Staatsvermögens und die Herab-würdigung der Ehre und Achtung des Landes ihn dazu bewogen hätten.Den entsetzlichsten Beweis der herrschenden Korruption, die, weil gängund gebe, sogar als ehrliches Geschäft angesehen wurde, lieferte der Pro-ceß gegen die Minister Teste und Cubiüres, den Advocaten Parmentierund den Rentier Pellapra. Wie empfindlich dieser Proceß das Julisystemberührte, gestand der Staatsprocurator zu, als er dem General Cubiöreszurief: „Sie haben die Regierung herabgewürdigt, Sie haben dem Landeden größten Schaden zugefügt, Sie haben Zweifel an seinen Institutionenerregt!" Welches Gewicht erhielten dadurch die Anklagen der Kammer-