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Corruptionswesen in Frankreich.
(3. Kap.
opposition! Wie belebte sich der Glaube wieder, daß das große Seearse-nal in Toulon (1845) von den Oberbeamten selbst in Brand gestecktworden sei, um Unterschleife zu verdecken und der bevorstehenden Revisionzu entgehen! Bald lenkte sich die öffentliche Aufmerksamkeit auf zwei an-dere Corruptionsprocesse. Seit einiger Zeit waren Klagen über die unver-hältnißmäßige Sterblichkeit im Zuchthause zu Clairvaux ergangen. Jetzterfuhr man, daß das Fleisch, welches die Sträflinge genossen, meist vonkrankem Viehe herrührte, das Agenten ausgekauft, abgeschlachtet und indie Strafanstalt geliefert hatten. Den zweiten Proceß regte Emil de Gi-rardin, ein begabter, aber feiler Mensch, au. Er beschuldigte die Regie-rung, eine Pairswürde um 80,000 Francs zum Verkauf ausgeboten undeine Theaterconcession verhandelt zu haben, und den Thatbestand beiderAnklagen mochte der Pairshof nicht einmal erörtern. Jetzt füllten sich dieTagesblätter mit Anklagen, welche rachsüchtige Speculanten, denen einNebenbuhler den Rang abgelaufen, gegen die Beamten schleuderten. Sosollte Cunin-Gridaine 500 Actien der wegen ihrer Unglücks-fälle berüchtigten Nordbahn genommen und dadurch einen Gewinn von200,000 Francs gemacht, eine algierische Minengesellschast Talabot100,000 Francs für „einflußreiche Freunde" hinterlassen, und ein Proviant-meister ein Deficit von 34,000 Ceutnern Weizen gemacht haben und dabeidoch im Amte geblieben sein, weil er es vortrefflich verstanden, mit Müllernund Getreidehändlern Verträge abzuschließen, bei denen für seine Vorge-setzten ein Beträchtliches abgefallen sei. Die Lieferungen für die algierischeArmee wurden durch eine Commission in Empfang genommen, welcher dieKaufleute eine Gratifikation gewährten, damit Artikel von bester Qualitätnicht als schlecht verworfen würden. Man erzählt, daß einem Handelshause,welches sechs Getreideschiffe nach Algier geschickt, dem mit der Abnahmebeauftragten Intendanten aber keine Gebühre» bezahlt habe, das zu sieb-zehn Francs abgeschlossene Getreide zurückgegeben worden sei. Noch imHasen von Algier habe ein anderer Händler das Getreide zu dreißigFrancs erkauft und eS nach vierzehn Tagen der Regierung zu zweiund-dreißig Francs verkauft, nachdem er es durch die rechten Personen hattebesichtigen lassen. Ferner sei den Postmeistern ein Gesetzentwurf für1,200,000 Francs verschachert worden, und ein ehemaliger Präfect habebei einem Minister einen Gesetzentwurf über eine Eisenbahn förmlich be-stellt und mit 450,000 Francs zu honoriren versprochen. Und dieser Ge-setzgebungshandel wurde urkundlich am 18. Mai 1841 abgeschlossen undin den öffentlichen Archiven registrirt! Der Minister, welchem man inden Kammern alle diese Sachen vorhielt, leugnete, wo er konnte, undführte triumphirend an, daß zwei Genieofsiciere die Bestechungen zurück-gewiesen hätten! Kann eSWunder nehmen, wen» die öffentliche Meinungfür die Kommunisten Partei ergriff, deren Proceß damals mit großer