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Das Vorparlament.
f4. Kap.
Das Vorparlament, dem 141 Preußen und nur 2 Oester-reicher beiwohnten, und das im Ganzen aus 548 Personen — Stände-mitgliedern , Abgeordneten von Volksversammlungen und Liberalen, dieaus freiem Antriebe kamen — bestand, tagte in der Paulskirche unterMittermaier's Leitung von, 31. März bis 3. April. Dahlmann, v. Jtz.stein, R. Blum und Jordan waren im Römersaale zu Vicepräfidentenerwählt worden. Die Verhandlungen trugen das Gepräge des Tagesund waren sehr stürmisch, da die Meinungen der Gemäßigten oder „vor-märzlichen Liberalen" von denen der Radikalen und Republikaner unterBlum, Hecker und Struve weit abwichen. Die Letzteren strebten, wie siesagten, die Revolution zu sichern, indem sie mit der ganzen Vergangen-heit, mit allen noch bestehenden Gewalten brechen und neben den allge-meinen Zwecken auch die Mittel dazu in Anwendung bringen wollten;die Ersteren dagegen wollten nicht weiter gehen, als bis zu den Zielpunk-ten, für deren Erreichung sie Jahre lang gestritten und gelitten hatten;sie verwarfen die Revolution, weil nun die gesetzlichen Mittel vorhandenseien, die Volkswünsche zu erreichen; sie wünschten, den Regierungen dieheilsamen Folgen eines innigen Zusammenwirkens mit den nationalenSympathien zu zeigen. Das Vorparlament nahm eine der merkwürdig-sten Di^pelstellungen im politischen Leben ein, die es giebt. Ungerechtin seiner Zusammensetzung, incompeteut in seinem Ursprünge, gemäßigtin den Absichten der Mehrheit, zur Berathung versammelt und zurendgültigen Beschließung für ganz Deutschland Hingetrieben, den Bun-destag für eine Leiche erklärend und doch mit ihm im Verkehr, usurpirtedas Vorparlament die höchste Gewalt in Deutschland und forderte buch-stäbliche Erfüllung für Alles, was es festgesetzt hatte. Revolution undLoyalität waren in diesem Gebühren merkwürdig verbunden. Das Vor-parlament berief die Nationalversammlung; der Bundestag gab die for-melle Bestätigung und die Regierungen ordneten das Nöthige zur Aus-führung an. In Preußen, wo man die Wahlen zur Nationalversamm-lung hatte durch den Vereinigten Landtag provinzenweise vornehmen lassen,wurden die Wahlen sofort cassirt, als vom Frankfurter Ausschuffe dagegenprotestirt wurde.
Der Sicbenzehner-Ausschnß hatte dem Vorparlament Vorschläge zurBerathung unterbreitet, von denen die meisten sich in der Radowitz'schenDenkschrift befinden (S. 264). Außerdem befanden sich unter den Pro-positionen: „Ein Bundeshaupt mit verantwortlichen Ministern; EinSenat der Einzelstaaten; Ein Haus des Volkes, hervorgehend aus Ur-wahlen nach dem Maßstab von 1:70,000." Struve legte dagegen einevon 18 Abgeordneten unterzeichnete Zusammenstellung der Rechte desVolkes vor und verlangte deren Anerkennung. Den bedeutendsten Ge-genstand der Verhandlungen des ersten Tages, die durch einen Ausfall