358 Baden nach der Februarrevolution. st- Kap.
41. Die deutschen Mittel- und Kleinstaaten.
Nur der Rhein trennt Baden von Frankreich. In Baden fanddaher die Februarrevolution das erste Echo. Das liberale MinisteriumBekk kam dem Sturm der Massenpetitionen zuvor, indem es das Preßge-setz von 1831 mit dem 1. März wieder einführte, einen Entwurf überGeschwvrnengerichte der gerade versammelten Kammer vorlegte und dieBürgergarden sofort organifirte. Als die Bittsteller von Mannheim, Hei-delberg, dem Oberland u. a.O. ihre Forderungen persönlich überbrachten,gab die Regierung sogleich nach und erklärte in der Kammer, die bekann-ten Ausnahmebeschlüsse des deutschen Bundes nicht mehr in Anwendungbringen, das Militair auf die Verfassung vereiden und Gesetze zurAufhebung der politischen Beschränkungen aus Rücksichten der Konfession,sowie einen Gesetzentwurf wegen Unverantwortlichkeit der Minister ein-bringen zu wollen; endlich erbot sie sich, zur Errichtung eines deutschenParlaments die Hand zu reichen. Im Oberlande und dem Odenwalderottete sich das Landvolk zusammen und verlangte alle Zehnten, Gültenu. s. w. abgeschafft. Die Beamten mußten flüchten, die Schlösser wurdenverwüstet und die Archive zerstört. Im Seekreise war die Stimmungdurchaus republikanisch und wurde von Hecker, Struve, Fickler u. m. A.genährt, welche die Bauern auf den bewaffneten Zuzug der Deutschenaus Frankreich vorbereiteten. Ueberall fanden große Volksversammlun-gen statt, wo die Wünsche des Volkes besprochen und die Stimmen derMäßigung mit wüstem Geschrei übertäubt wurden. Anfangs hofften dieBadener, das Vorparlament werde die Republik ausrufen und sendetendahin zielende Petitionen nach Frankfurt ab. Die Liberalen konnten nichtim Zweifel sein, was man beabsichtigte, und da sie von der Proclamationder Republik nur Verderben fürchteten, so verhaftete Matthy in Karlsruheden Redacteur der badischen Seeblätter, Fickler und mehrere Andere, welcheVerbindungen mit Deutschen und Ausländern, die einen Einfall in Ba-den bezweckten, unterhalten haben sollten (7. April). Dies zeitigte denAusbruch des republikanischen Aufstandes. Hecker und Struve entfaltetenzuerst in Konstanz das Banner der Republik (11. April), und fordertenden ganzen Seekreis auf, Freitag den 14. Mittags 12 Uhr in Dvnau-eschingen, mit Waffen, Munition und mit Lebensmitteln aus sechs Tageversehen, zu erscheinen. Der Regierungsdirector Peter in Konstanz wurdezum Statthalter ernannt. Hecker's Streiterschaar mochte an 2000 Mannbetragen. Diese meist mit Sensen bewaffnete Schaar wurde von den ba-dischen, Württembergischen, bayrischen, hessischen und naffauischen Truppenunter Anführung des Generals Friedrich von Gagern bei Kandern (21.April) angegriffen, wobei zwar Gagern fiel, die Republikaner aber zer-sprengt wurden. Die Osficiere der Armee behaupteten, Gagern sei beim