4. Kap.) Württemberg, Hohenzollern, Großh. Hessen. 359
Parlamentiren meuchlings erschossen worden; Hecker und seine Gefährtenstellten dieses in Abrede und behaupteten, daß erst, als Gagern zurück-geritten, und die Officiere, welche für die Treue ihrer Mannschaft ge-fürchtet, Feuer commandirt hätten, von den Republikanern geschossen undGagern getödtet worden sei. Am 24. wurde Freiburg nach einer lebhaf-ten Kanonade durch General Hoffmann eingenommen und der Seekreisin Belagerungszustand erklärt. Die Gefechte von Todtnau und Doffen-heim (25. und 27. April), wo Herwegh's Schaar eine Niederlage erlitt,beendigten einen Krieg, der ohne Erwägung der eigenen und der gegne-rischen Mittel, ohne Rücksicht auf die Lage des Vaterlandes, für die Ideeeiniger Schwärmer unternommen wurde. — In Mannheim, wo Sensen-männer in einen blutigen Conflict mit naffauischen Truppen gerathen wa-ren, herrschte der Belagerungszustand; die Presse und das Vereinswcsenwurden beeinträchtigt und die Volksausschüffe aufgelöst. Das waren diebitteren Früchte der mislungenen Revolution, Folgen, die man dem Haßdes zum Minister erhobenen Matthy Schuld gab, anstatt sie den Urheberndes Aufstandes aufzubürden.
In Württemberg, wo eben der loyale Landtag vertagt wordenwar. brachte der ständische Ausschuß die Volkswünsche vor den Thron.Der König bildete ein Ministerium aus der äußersten Opposition (9.März), wozu Römer, Duvernoy, Pfizer und Goppelt gehörten. Auch hierrevoltirten die Bauern und zerstörten die Schlösser vieler Standesherren.Die Disciplin des Heeres lockerte sich; General Graf zur Lippe nahm sichwegen Widersetzlichkeiten der Soldaten das Leben. Ein Regiment in Stutt-gart verweigerte den Gehorsam und ließ Hecker hoch leben (11. Juni).Sonst gab es bedeutende Tumulte in Stuttgart und Canstadt, wo manan Ausrufung der Republik dachte. Die Censur war schon am 1. Märzaufgehoben und einstweilen das Gesetz über die Preßfreiheit vom 30.Januar 1817 hergestellt worden. Uebrigens war die württembergischeRegierung die erste, welche sich für directe Wahlen zur deutschen Na-tionalversammlung entschied.
Das von Württemberg umschlossene Hohenzollern blieb vomallgemeinen Sturme nicht verschont. Am 10. März flüchtete der Fürstvon Hechingen nach Stuttgart, weil die Bauern revoltirten und in dieResidenz die Erklärung überbrachten, daß sie keine Steuern mehr zahlenwürden.
Der Großherzog von Hessen beschwor den Sturm, indem er sei-nen beliebten Sohn Ludwig III. zum Thronfolger annahm (5. März).Heinrichvon Gagern trat an die Spitze eines liberalen Ministeriums,wurde aber, nach seiner Erhebung zum Präsidenten der deutschen Natio-nalversammlung, durch Jaupp ersetzt. Die Stände hatte man bis zumSpätherbst vertagt und Las Ministerium steuerte das Staatsschiff ziem-