360
Nassau und Bayern.
lich sicher durch die Strudel und Klippen der Zeit. Mainz blieb der Re-volutionsherd, wie es zuerst diese Stadt gewesen, welche am 1. März denGroßherzog mit einer Deputation beschickt hatte. Am 7. März wurde dasMilitair in Darmstadt aus die Verfassung beeidigt. Am 22. März ent-stand in Mainz ein blutiger Zusammenstoß zwischen Bürgern und preu-ßischen Soldaten, welche jenen die deutsche Kokarde abgerissen habensollten. In weit schlimmerer Weise wiederholte sich dieser Conflict im Mai,worauf der Gouverneur die Stadt in Belagerungszustand erklärte, Ab-lieferung der Waffen und Auflösung der Bürgergarden begehrte, und imWeigerungsfälle die Stadt zu beschießen drohte (21. Mai). Dennochkamen am 22. Mai nochmals blutige Tumulte vor. Von Frankfurt aussandte man eine Vermittelungscommission (Blum, Hergenhahn, Lindenau),deren Bemühungen es gelang, daß der Belagerungszustand am 24. Maiaufgehoben und die Soldaten in ihren Kasernen confignirt wurden. —Am 16. Juni starb der Großherzog Ludwig H.
Die Rathlosigkeit in Nassau, wo der Herzog abwesend war, scheintbedeutend gewesen zu sein. Am 2. März hielt man in Wiesbaden eine großeVersammlung, worin die Petition an den Herzog und die Stände bera-then und von einem bewaffneten Haufen aufs Schloß gebracht wurde.Die Herzogin-Mutter, Prinz Nikolaus und der Minister, Graf Düngern,gewährten Alles und der Herzog, welcher am 4. zurückkam, bestätigte es.Die Feudallasten wurden aufgehoben, die Domainen für Staatsgut er-klärt und das Jagdrecht den Gemeinden überlassen. Der Oppositions-mann Hergenhahn bildete ein neues Ministerium. Der Aufruhr in Wies-baden vom 16. Juli, wobei Soldaten und Bürgerwehr betheiligt warenund Gefangene befreit werden sollten, wurde durch das Einrücken von2000 Preußen und Oesterreichs gestillt.
Bayern hatte sich schon in den Lola-Tumulten ausgetobt, aberWallerstein war noch Minister geblieben. Gegen diesen richtete sich am 3März eine Sturmpetition der Bürgerschaft, und der Fürst von Leiningensendete einen Brief an König Ludwig, worin er ihm rieth, Alles zu be-willigen. Am 6. März trat Wallerstein ab und König Ludwig überraschtedie Welt selbst mit seiner Abdankung (20 März), „da eine neue Richtungbegonnen, als die in derVerfaffungsurkunde enthaltene." Maximilian H.Joseph bestieg den Thron und nahm ein liberales Ministerium an, dasaus dem Freiherrn v. Lerchenfeld, v. Thon - Dittmer, Heintz und Beislerbestand. Am Main, wo es noch viele feudale Einrichtungen gab, hatteman arge Bauernexcesse zu beklagen. Im Ganzen ging es aber inBayernverhältnißmäßig ruhig zu. Einige Biertumulte, einige Conflicte derMassen mit Militair oder Bürgerwehr (12 —18. August) in München,waren die einzigen, freilich immer noch bedauerlichen Anzeichen einer sehrerregten Zeit. Merkwürdig ist es, daß sich in München am 17. September