Band 
(1815 - 1854)
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362
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362 Braunschweig. Sachsen, die kleineren Staaten. s4. Kap.

setz vornahm, hauptsächlich aber den eximirten Gerichtsstand aufhob (23.August). Der König dagegen stieg wegen seiner Offenheit in der Achtungdes Volkes; die Bewegung war daher maßvoller, verrauchte aber auchnicht sobald, als anderswo.

In Braun schweig zeigte sich der Herzog sehr bereitwillig, allesVerlangte zu gewähren (9. März), ja er wollte sich sogar der Souverai-netät zu Gunsten der deutschen Einheit begeben und ließ das Militair zu-erst die deutsche Kokarde anlegen (13. März). Am 30. Mai wurden dieaus dem Glaubensbekenntniß folgenden Rechtsungleichheiten und das Ver-bot der Ehe zwischen Juden und Christen aufgehoben.

Im Königreich Sachsen gingen die ersten Petitionen zunächst vonLeipzig aus (1. März), auf die der König zwar eine ausweichendeAntwort gab, jedoch am 5. März den Minister von Falkenstein entließ.Damit begnügte man sich nicht, worauf der König Preßfreiheit auf einenMonat gewährte, zumal die Censoren inständigst um Enthebung von ihrenFunctionen baten. Endlich traten auch die übrigen Minister ab; Braun,Oberländer und v. Pfordten kamen an ihre Stelle und bewilligten alledamaligen Forderungen. Die Revolution war in Sachsen verhältnißmäßigruhig, ohne Blutvergießen und Scenen der Gewalt abgelaufen, was mannamentlich der Beredtsamkeit und Umsicht Robert Blum's zu verdanken zuhaben glaubte. Doch gab es im Schönburg'schen und im oberen Erz-gebirge arge Excesse. Am 18. Mai trat der alte Landtag zusammen, umein neues Wahlgesetz zu berathen.

Die übrigen kleineren Staaten machten ebenfalls ihre Bewegungdurch: Frankfurt am 4. Mai, Gotha am 7. und 8. März, Bremen,Hamburg und Lippe am 9., Oldenburg, Rudolstadt, Waldeck und Wei-mar 10., Reuß-Ebersdors 11., Mecklenburg-Schwerin 12., Anhalt 12.—14. und Sondershausen am 14. März. Der Herzog von Meiningengewährte freiwillig, ehe er dazu gezwungen wurde. In Altenburg, woErbe, Douai und Delitzsch republikanische Propaganda machten, ginges am unruhigsten her. Der Herzog rief sächsisches Militair zu Hilfe,welches den Bahnhof besetzte (Juni). Indeß blieb dasselbe nur we-nige Tage dort und der Herzog mußte Cruciger ins Ministerium berufen.Auch der beliebte Fürst Weimars vermochte mit seinem Ministerium Wy-denbrugk - Watzdors nicht, die Ausschweifungen der Bauern und der De-mokraten zu hindern.

JmThüring'schen fanden Volksversammlungen statt, wo man die aufdem Altenburger Demokratencongresse angeregte Idee „eines einigen thü-ring'schen Staats ohne Mitwirkung der Fürsten" besprach. Dies bewogeinerseits die Centralgewalt, Truppen im Thüring'schen zu concentrire»(October), wie es andererseits die thüring'schen Minister nöthigte, zusam-menzutreten und die Vereinigung der einzelnen Regierungen anzubahnen.