4. Kap.j Oesterreichs Lage nach der Februarrevolution. 363
42. Oesterreich.
Die letzten Jahre der Metternich'schen Verwaltung hatten zwarmanche Verbesserungen gebracht, aber das Ganze der Staatsmaschine warunverändert geblieben. Metternich hatte viel zu thun verabsäumt, auSFurcht, daß der Staat untergehen und die Revolution ihren Einzug hal-ten würde, wenn man eine wesentliche Reform der Verwaltung vornähme.Und doch fühlte das Volk, empfanden sogar die Postulatenlandtage dasBedürfniß, dem übrigen Europa nachzukommen. Metternich wies sie zür-nend in ihre Schranken zurück und erhielt die Ruhe, sowohl auf Kostender Finanzen, welche, trotz des langen Friedens und der reichen Hilfs-quellen im Innern, verfielen, als auch aus Kosten des Vertrauens und derDuldsamkeit, welche die übrigen Regierungen selbst abweichenden Ansichtengewährten. Oesterreichs Lage war damals keine günstige. Man hatte zurZeit der Ruhe durchgreifende Reformen verabsäumt, und das Jahr 1847trieb soviel Blasen, daß die Regierung diese Zeit nicht für Verbesserun-gen geeignet fand. Als die Nachricht der Pariser Ereignisse in Wien ein-traf, durchdrang instinctmäßig alle Classen des Volkes das Gefühl, daßMetternich's System unhaltbar geworden sei. Die Papiere sanken furcht-bar; die Bank war förmlich belagert von Menschenmaffen, die baares Geldeintauschen wollten. Der niederösterreichische Gewerbverein richtete dieBlicke des Kaisers auf die drohende Gewerbsstockung und erklärte, esgäbe nur Ein Mittel, das Vertrauen wieder zu gewinnen: „ein festes, in-niges Anschließen der Regierung an die Stände und Bürger, wie an dieInteressen des gemeinsamen deutschen Vaterlandes." Am 3. März 1848erhob sich Koffuth im ungarischen Reichstage, um das Metternich'sche Re-gierungssystem zu geißeln. Er erklärte die „Constitutionalität für denrechten „Kitt zur Verbrüderung der verschiedenen Völker der Monarchie",„das Bureau und das Bayonnet seien elende Verbindungsmittel. Füreine geliebte Dynastie können Völker Blut und Leben geben, aber fürdie Politik eines drückenden Regierungssystems werde sich kein Sper-ling opfern." Der conservative Szechenyi tadelte das jetzige Regi-ment in den stärksten Ausdrücken. Man beschloß eine Vorstellung anden Thron, worin ein verantwortliches ungarisches Ministerium erbetenwurde, das im Lande seinen Sitz habe. Metternich erklärte, dieRegierung denke an keine Invasion nach Frankreich, werde aber die be-stehenden Institutionen schützen. Gerade diese Institutionen aber wa-ren überall verhaßt. Darum entschlossen sich die Oesterreicher, an denLandtag Petitionen zu richten, um „unverweilte Veröffentlichung desStaatshaushalts, periodische Berufung eines alle Länder der Monarchie,sowie alle Classen und Interessen der Bevölkerung vertretenden ständischenKörpers mit dem Rechte der Steuerbewilligung und Controle des Finanz-