4.Kap.j Aufstand in Böhmen. —Erzherzog Johann, Reichsverweser. 367
selbe her. Als eins der ersten Opfer böhmischen Fanatismus fiel dieFürstin Windischgrätz durch eine Kugel, welche vielleicht ihrem Gattengegolten hatte. Der höchst commandirende General Fürst Windischgrätzwandte zur Unterdrückung des Aufstandes sehr energische Mittel an, ließdie Stadt in Brand schießen und nöthigte die Insurgenten, ihre Barri-kaden zu verlassen (18. Juli) und sich zu unterwerfen; das Standrechtwurde verkündigt und herrschte bis zum 20. Juli.
Der Kaiser kehrte vorläufig nicht nach Wien zurück, sondern er-nannte den Erzherzog Johann zu seinem Stellvertreter in Wien (16. Juni).Derselbe kam am 24. Juni an, wurde jubelnd empfangen, blieb abernur bis zum 8. Juli, wo er nach Frankfurt als Reichsverweser ab-reiste, und nur noch einmal dahin zurückkehrte, theils um ein neuesMinisterium zu bilden (19. Juli), da Pillersdorf dem Volke und derRegierung unzuverlässig schien, theils um den Reichstag zu eröffnen(22. Juli). Das neue Ministerium bestand aus v. Weffenberg (Conseils-präsident und Minister des Aeußern), v. Doblhoff (Inneres und provi-sorisch Unterricht), vr. Bach (Justiz), Graf Latour (Krieg), v. Krauß(Finanzen), Hornbosti (Handel), v. Schwarzer (öffentliche Arbeiten).
Gehörte der tschechische Aufstand damals zu den räthselhasten Er-scheinungen des Tages, da die Mitglieder der provisorischen Regierungauf freiem Fuße blieben, so schienen die Ereignisse in Kroatien einigesLicht über jene Vorgänge zu verbreiten. Die Kroaten hatten im Märzebenfalls eine Deputation nach Wien gesandt mit radicalen Forderungenund der Bitte, daß der Baron Jellachich, ein slavischer Patriot, zumBanus von Kroatien und Slavonien ernannt werden möge. Die Bewil-ligung ihrer Wünsche brachte jedoch unter den Magyaren heftige Wäh-rungen hervor, weil dieselben in der Ernennung des Barons Jellachicheine Art von Kriegserklärung fanden. Sie bemühten sich daher, die sla-vischen Bauern auf ihre Seite zu ziehen. Da verkündigte JellachichPlötzlich das Standrecht gegen die „Aufwiegler", worunter er die magya-rischen Emiffaire verstand, welche den Bauern sagten, sie seien Magyarenund verdankten den Ungarn die Aufhebung der Roboten und Zehnten,was in der That sich so verhielt, da die Kroaten des ungarischen Reichs-tags sich der Abschaffung alter Feudalrechte heftig widersetzt hatten.Von Agram aus pflanzte sich die Bewegung zu allen südslavischen Völ-kern fort. Die öffentlichen Cassen wurden geplündert und die ungarischenBeamten verjagt. Am 13. Mai wählten die bewaffneten Serben inKarlowitz den Joseph Rajatschisch zum Patriarchen und den OberstenStephan von Schuplikaz zum Woiwoden. Auch die siebenbürgischenSachsen wollten von einer Union mit Ungarn nichts wissen, und riefendie Walachen zu Hilfe, welche als vierte ständische Nation proclamirt wur-den. Die Versammlung der Walachen, welche sich jetzt „Römer" nannten,