4. Kap.) Mnisterwechsel. — Eröffnung d. Vereinigten Landtags. 3 73
den Bahnen des gesetzlichen Fortschritts gewichen war. Der Prinz vonPreußen, der Mitgarant der neuen werdenden Ordnung, hatte sich nachLondon begeben (22 März). Auf ihn häuften aber die Fanatiker allenHaß gegen das Fürstenthum, und erklärten seinen Palast als National-eigenthum, während Alles, was mit dem Geschehenen unzufrieden war,seine Hoffnungen ausihn baute, und den Zwiespalt, welcher das ganze Volkzerfltischte, in das Heiligthum der königlichen Familie hineintrug. WelcheElemente überhaupt in diesen ersten Tagen des Wirrwarrs auftraten, be-weist nichts besser, als jene Bittschristen-Commisfion, welche sich aus eig-ner Machtvollkommenheit im Palais des Prinzen von Preußen niederge-lassen, dort von seinen Verrathen zehrte, und aus den Herren RectorKarrig, v. Normann und Becker bestand, Menschen, die theils wegengemeiner Verbrechen gesessen, theils sehr zweideutiger Natur waren.Pros. Dove erwarb sich das Verdienst, diese Commission zu verhaften.— Die Volksredner Eckert und Urban, socialistische Schwärmer, arbei-teten darauf hin, das Volk mit seinem Herrscher auszusöhnen und erwirk-ten eine Cabinetsordre zur Rückkehr des Militairs (30. März), weshalbsie von anderen Volksrednern heftig angefeindet wurden. Da einige fürunausweichlich gehaltene Liberale sich weigerten, unter dem Grafen vonArnim ins Ministerium zu treten, dankte Letzterer ab und der König er-nannte am 29. März das Ministerium Camphausen, worin Baron Arnim,Bornemann, v. Auerswald, Gras Schwerin, Hansemann und v. Reiher,später (den 30, April) v. Canitz Platz nahmen. Dieses Ministerium er-öffnete am 2. April den Vereinigten Landtag, welchem die Grundlageneines Entwurfs der Verfassung aus breitester Grundlage und eines Wahl-gesetzes vorgelegt und von ihm genehmigt wurden. Vincke's glanzvolleRede führte ein Vertrauensvotum in finanzieller Hinsicht und die Aus-nahme einer freiwilligen Anleihe von 15 Millionen Thalern herbei. Am6. April wählte der Landtag in den Sectionen der acht Provinzen 113Abgeordnete zur Beschickung der Frankfurter Versammlung. Allein schonam 10, April erklärte Camphausen, „daß nach einer inzwischen erfolgtenmodificirten Bestimmung der Wahlen zur deutschen constitnirenden Ver-sammlung von Seiten des deutschen Bundestags die bereits vom Land-tage vollzogenen Wahlen nicht ausreichten; der König wünsche, daß derLandtag aus seine Wahlen verzichte, und daß das Ministerium sofort dieneuen Wahlen, nach dem Beschluß des Bundes, ohne Unterschied desStandes und des Bekenntnisses anordnen werde." Fast einstimmig fügtesich die Versammlung nnd ging gleich nach diesem Beschluß auseinander.Die Wahlen der Abgeordneten sollten indeß keine unmittelbaren sein, son-dern, wie die der Abgeordneten zur preußischen vereinbarenden Versamm-lung, durch Wahlmänner vermittelt werden.