Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
Seite
378
JPEG-Download
 

378

Dämpfung des polnischen Aufstandes.

s4. Kap.

Von allen Seiten wurde das Generalcommando um Hilfe bestürmt; un-ter den Deutschen verbreitete sich das unheimliche Gerücht, daß die Polenaus Ostern eine ficilianische Vesper gegen Deutsche und Juden ausführenwürden. Die Deutschen bewaffneten sich und zogen der Stadt Posen,welche man für bedroht hielt, zu Hilfe. Auch in Galizien regte sich da-mals die Empörung; der Adel aber, durch die Vorgänge von 1846 ge-witzigt, begehrte, außer Erhaltung der polnischen Sprache und Nationa-lität, vor Allen die Aufhebung der Frohnden und Feudallasten, was derKaiser auch am 22. April gewährte.

Als jene Nachrichten in Berlin anlangten, sendete das Ministeriumden General von Pfuel mit unbeschränkter Vollmacht nach Posen ab.Kaum dort angelangt, vernahm er von einer entsetzlichen Schandthat derPolen. Im Städtchen Buk empfingen die Einwohner eine preußische Com-pagnie mit anscheinender Gastfreundlichkeit; der getäuschte Hauptmannvernachlässtgte die nöthigen Sicherheitsmaßregeln. Als die Soldatenschliefen, fielen die Einwohner, im Verein mit herbeigeholten Sensenmän-nern, über sie her, und nur der Geistesgegenwart eines Tambours ver-dankt man es, daß nicht Alle niedergemetzelt wurden. Nun verkündigtePsuel das Standrecht in der Provinz und schickte Truppenabtheilungenaus, welche den Aufständischen mehrere Niederlagen beibrachten. Die Sol-daten, namentlich die Landwehr, verübten in ihrer grenzenlosen Erbitte-rung ebenfalls an den Gefangenen Greuelthaten, die von den Officierennicht gehindert werden konnten. Es war ein entsetzlicher Racenkrieg. Ge-neral von Wedel! erwarb sich durch seine umsichtige Kriegführung dasVerdienst, den Aufstand binnen kurzer Zeit zu beendigen. Den Insurgen-ten mangelte Geschütz und dieser Nachtheil mußte ihre ohnehin schon hoff-nungslose und befleckte Sache zu einer verlorenen machen. Bei Miloslaverfocht Miroslawski mit dreifach überlegenen Massen einen Vortheil überdie Preußen, welche zeitiger angriffen, als die Colonne des Obersten v.Brandt den Polen in den Rücken fallen konnte (30. April). Dieser Siegmehrte den Zulauf der durch mancherlei Vorspiegelungen gewonnenenBauern zu den polnischen Corps. Krotowski (Krauthofer) verkündete dieErrichtung einer „heiligen Vehme", welche ihre dunkle Wirksamkeit baldkundgab. Die preußischen Generäle (Hirschfcld, v. Wedel! und ».Brandt,unter Oberleitung des Generals v. Colomb) entwarfen jedoch so geschickteMarschdispositionen, daß der Feind überall aus Truppen stieß und Mie-roslawski, bei dessen Corps Furcht und Zuchtlostgkeit einriß, an die rus-sische Grenze gedrängt wurde. Er gab den Oberbefehl an Brzezanskiund überlieferte sich den Preußen. Seine Leute capitulirten am 9. Mai.Jetzt wurden mobile Kolonnen gebildet, welche die einzelnen PolnischenGuerillahaufen unablässig verfolgten, nachdem die letzte größere Schaarunter Krauthofer bei Rogalin in die Warthe gesprengt war. Bei Exin