Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
Seite
381
JPEG-Download
 

4. Kap.)

Friedensabschluß mit Dänemark.

381

England, kaum durch den Prinzen von Preußen gewonnen, benahm sichzweideutig, Rußland erklärte die Besetzung Dänemarks für einenKriegsfall, und Hannover weigerte sich, sein Contingent vollzählig zumachen. Darauf befahl der König von Preußen den Rückzug (28. Mai),um die Lasten und Verantwortlichkeit eines Bundeskriegs gegen Dänemarknicht allein zu tragen. Die deutschen Truppen begannen den Rückzug undFlensburg und Apenrade wurden Preis gegeben. Bei den unheimlichen Ge-rüchten, welche über eine von England geforderte und von Rußland, Frank-reich und Schweden unterstützte Abtretung Nordschleswigs an Dänemarkumliefen, nahm es allgemein Wunder, daß man die tapferen Freischaarenzu einer Zeit auflöste, wo man der waffenkundigen Männer gegen dasAusland am meisten bedurfte, um Deutschlands Ehre und Interessen zuschützen. Der Grund lag darin, daß Militair und Freischaaren in fort-währendem Streit mit einander lebten, und die militairischen Befehlshaberfür die Disciplin ihrer Armeen fürchteten, wenn die Soldaten das Bei-spiel eines nicht geregelten Dienstes in der Nähe sähen und von den Frei-schärlern Ideen einsaugten, die sich mit der Strenge des Felddienstes nichtvertrügen. — Wrangel ging am 5. Juni nochmals vor, indem er, umdie Feinde in Sicherheit zu wiegen, auf den 5. Juni eine große Paradezu Ehren des Geburtstages des Königs von Hannover anordnete, undvom Paradeplatze weg in drei Kolonnen gegen Nübel marschirte. DerFeind, unterstützt durch seine Kriegsschiffe, behauptete die Düppeler Höhenund zwang die Deutschen, zurückzugehen. Die Freischaaren des Majorsvon der Tann wurden nun zur Avantgarde gesandt und überfielen am7. Juni eine dänische Abtheilung bei Hoptrup, erbeuteten eine Kanoneund verschanzten sich in Apenrade. Durch eine Vorwärtsbewegung dergesammten deutschen Armee am 28. sahen sich die Dänen genöthigt,Hadersleben zu verlassen und nach Jütland sich zurückzuziehen, wohinihnen Wrangel nicht folgen durfte. Die Dänen neckten die Deutschen durchallerlei kleine Uebersälle, welche manchem braven Soldaten das Leben kosteten,ohne daß man dafür Rache nehmen konnte. Der Krieg ermattete ausdeutscher Seite; Wrangel's Arm war durch unbekannte Kräfte gelähmt.Unter solchen Umständen erschien die Blokade der deutschen Häfen, welchedem Handel empfindliche Wunden schlug, doppelt unangenehm und inden Küstenländern erhoben die Kaufleute und Schiffer die Stimmen zumFrieden. Am 15. Juli schloß Wrangel mit den Dänen Waffenstillstand,während dessen diplomatische Verhandlungen stattfanden, aus denen dieFriedensentwürfe von Malmoe und Bellevue (29. Juli) hervorgingen.Der Reichsverweser ratificirte diesen Vertrag nur bedingungsweise. Darankehrte sich aber Preußen nicht, und schloß durch den General v. Belowam 26. August zu Malmoe einen fiebenmonatlichen Waffenstillstand, wor-