4. Kap.j Ausbruch der Revolution in Venedig und Sicilien. 383
Freie erreichte. Aber auch hier fanden fich noch viele Hindernisse zu be-seitigen , Brücken wiederherzustellen und Verhaue aus dem Wege zu räu-men; Malagnano war von Freischaaren besetzt und mußte erst stürmendgenommen werden, wobei die Stadt in Flammen aufging. Das traurigeSchicksal dieser Stadt schreckte andere italienische Ortschaften vomWiderstände zurück. Radetzky war gerettet und erreichte das linke Uferder Chiesa.
In Venedig war der Aufstand am 17. März ausgebrochen. DieNathlosigkeit der Behörden wurde von den Insurgenten so ausgebeutet,daß schon am 22. die Civil- und Militair>Gouverneure, Graf Palffyund Graf Zichy, mit einer inzwischen eingesetzten provisorischen Regierungcapitulirten. Die Herzöge von Moden« und Parma stellten fich unterden Schutz der italienischen Fürsten: Karl Albert, Pius IX. und Leo-pold II. Piacenza, Pontremoli und Guastalla sagten fich von Parmaeigenmächtig los und vereinigten fich mit Toscana. Die österreichischeHerrschaft wankte und stand nur noch auf den Bayonneten Radetzky's. Mitihr stürzte die Herrschaft der Jesuiten und der ihnen verwandten Orden,welche fich kaum der Volkswuth entziehen konnten. Dagegen griff derübrige Klerus lebhaft in die Bewegung ein und führte die Freischaarenoder Kreuzfahrer gegen den gemeinsamen Nationalseind ins Feuer. KarlAlbert bot den Lombarden und Venetianern seine brüderliche Hilfe an(24.) und der Papst beschleunigte die Verkündigung einer Verfassung,duldete die Werbung von Freischaaren und ließ sogar einen Theil seinerTruppen an die lombardische Grenze rücken. Da er aber von weiterenFeindseligkeiten abmahnte, so wurde er von der Bürgerwehr belagert undmußte das liberale Laienministerium (Ciacchi, Morgetti) ernennen, welchesau Oesterreich sofort den Krieg erklärte (30. April). In Rom, wo sichdie Abgesandten Mittel- und Unteritaliens versammelten, um die Bildungeines italienischen Staatenbundes zu berathen, machte man sich immermehr mit der Idee einer italienischen Republik vertraut und sprach eslaut und unverhohlen aus: daß Mastai der letzte Papst sein würde.
In Sicilien war der Aufstand bis zum Bruch mit Neapel ge-diehen. Man erklärte die bourbonische Dynastie des Throns verlustigund behielt sich die Wahl eines andern Königs vor (13. April), die am11. Juli den Herzog von Genua traf, der jedoch ablehnte. Neapel, mitseinen republikanischen und Lazzaroniausständen, seinen Ministerwechselnund inneren Verwirrungen beschäftigt, sah unthätig zu, wie ihm eineschöne Besitzung verloren ging. Am 14. Mai wurden die neapolitanischenKammern eröffnet und den Abgeordneten der Eid auf die unveränderteVerfassung vom 29. Januar abgefordert. Viele verweigerten den Eidund verlangten erst Abänderungen der Verfassung- Die Bürgergarde,welche die drohende Zusammenziehung der Truppen und Geschütze ge-