4. Kap.)
Eröffnung des deutschen Reichstags.
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zu schaffen, als gescheitert anzusehen. Schon von vorn herein hatteOesterreich erklärt, daß es wohl nicht in der Lage sein würde, einem deut-schen Bundesstaate beizutretcn (Juni), und Preußen weigerte sich, am 6.August eine Parade zu Ehren des Reichsverwesers zu veranstalten. DerVersammlung, welche sich über den Widerstreit der deutschen PolitikOesterreichs und Preußens keinen Illusionen hingab, war diese Selbst-auSschließung Oesterreichs nur angenehm, und sie richtete daher ihre Ver-fassung auf ein Klein-Deutschland mit Preußischer Hegemonie ein. DieMittel - und Kleinstaaten protestirten dagegen, der König von Preußennahm die Kaiserkrone nicht an, und Oesterreich bemühte sich nach derBesiegung Ungarns, wieder in Deutschland den Platz einzunehmen,dem zu verlieren es nahe daran gewesen. Die deutsche Bundesactewurde wiederhergestellt: das war das Ende des Frankfurter Verfaffungs-werkes. Wollte also die Frankfurter Versammlung die Einzelstaatenmöglichst schonen, so mußte die Bundesacte erhalten und solche Einrich-tungen getroffen werden, um die frühere „reactionäre" oder „unthätige"Politik der Bundesversammlung zu verhüten. Dazu gab es drei Mittel,die zugleich ausgeführt werden mußten: die endgiltige Beschlußfassungüber die Vorschläge der Radowitz'schen Denkschrift, möglichst viele „liberale"Einzelverfassungen und Parlamente und schließlich das energische Auftre-ten gegen die Ausschweifungen des Volks und der Presse. Diese Mittelverabsäumte die Frankfurter Versammlung; — ihre Aufgabe, wie ihreMacht entschlüpften ihr aus den Händen. Sollte dagegen der Einheits-staat geschaffen werden, so mußten Preußen und Oesterreich in einzelneProvinzen aufgelöst, die fremdländischen Besitzungen freigelassen, dieWeichsel, Warthe, der Rhein und die Donau geopfert, dem Einfluß ausdie italienischen Angelegenheiten und die orientalische Frage entsagt, derwichtige, südliche Ausgang Deutschlands zum Mittelmeer preisgegeben,und der österreichische Handel nach der Levante und Aegypten vernichtet,d. h. es mußte eine neue Theilung Deutschlands vorgenommen, und dieFremden ins Land gelassen werden. Um den ersten Weg einzuschlagen,war die Mehrheit der Frankfurter zu „liberal" und von allzugroßer Ach-tung vor der „öffentlichen Meinung" erfüllt; um den andern zu wählen,war sie zu „conservativ" und zu patriotisch, und zu wenig von Illusionenüber die eigentliche Tragweite ihrer Macht erfüllt.
Am 18. Mai hatte sich Frankfurt aufs Schönste geschmückt, umdie Eröffnung des deutschen Reichstags festlich zu begehen. Unter Glocken-geläut und Kanonendonner setzten sich 400 Abgeordnete aus dem Römernach der Paulskirche in Bewegung, durch die mit Fahnen und Blumen-gewinden verzierten Straßen, überall von den lauten Lebehochs der Bür-gerwehr und des Volks empfangen. Syndikus Lang aus Hannover er-öffnete als Alterspräsident die Versammlung; ein ergreifender Moment,