4. Kap.) Der Relchsverweser. 403
Juni die Zustimmung der Regierungen zu der getroffenen Wahl undlegte jetzt seine Gewalt in die Hände des Reichsverwesers nieder. DieLinke (Blum, Schuselka, Vogt) protestirte gegen die Berechtigung derBundesversammlung, hierin mitzusprechen, wie sie in einer Ansprache andas deutsche Volk gegen die Wahl eines nichtverantwortlichen Reichsverwe-sers protestirt hatte. Allein das Volk zeigte überall, wo die Deputation,welche dem Erzherzog die Wahl anzeigen sollte, durchkam, den größtenEnthusiasmus, und als die Abgeordneten mit dem Reichsverweser vonWien zurückkehrten, waren auf den Bahnhöfen die Bürgerwehren in Pa-rade aufgestellt; Militair- und Civilbehörden begrüßten den Reichsverwe-ser ; ein Gefühl der Befriedigung, verbunden mit den schönsten Hoffnun-gen für die Zukunft, durckdrang die Herzen der Liberalen und konserva-tiven. Der Reichsverweser ernannte das Ministerium und schickte, nach-dem der Bundespräsidialgesandte die Veränderung in der CentralleitungDeutschlands zur Kenntniß der fremden Mächte gebracht hatte, Gesandteaus (12.Juli). Präsident des Ministeriums wurde Fürst Karl v. Lei-ningen; das Innere übernahm derOesterreicher v. Schmerling, dasAeußere der Hamburger Heckscher, die Justiz R. v. Mohl, den Kriegder preußische General v. Peucker, den Handel der Bremer Duckwitz,die Finanzen v, Beckerath. Als Unterstaatssecretaire wurden noch Maxv. Gagern und v. Biegeleben, Wassermann und v. Würth, Meviffen undFallati, Matthy und Widenmann dem Ministerium beigegeben, das vom15. Juli bis 9. September bestand. Das Reichsministerium lud nun dieRegierungen ein, Bevollmächtigte zu ernennen, mit denen es sich überdie Vollziehungsmaßregeln ins Einvernehmen setzen könne. HannoversKönig erklärte, seine Zustimmung zu der Centralgewalt nur in Rücksichtauf die Persönlichkeit des Reichsverwescrs zu geben; er werde dieseZustimmung aber verweigern, wenn die künftige Verfassung die Selbst-ständigkeit der Einzelstaaten gefährde (7. Juli). Diese Erklärung wurdevon der Nationalversammlung sehr übel ausgenommen (12. Juli); v. Wy-denbruck beantragte :„die Centralgewalt möge die unumwundene Anerkennungihrer selbst und des Gesetzes über sie von dem König von Hannover for-dern." Diese Anerkennung erfolgte zwar, aber nicht direct. Auch Preußenverkannte die Bedenken nicht, welche seiner europäischen Stellung durchdie Centralgewalt drohten und machte durch Camphausen den fruchtlosenVersuch, aus den Bevollmächtigten bei der Centralgewalt eine Art Bun-destag zu bilden (17. Juli). Als nun General v. Peucker an alle Kriegs-ministerien die Aufforderung erließ, am 6. August die Bundestruppendie deutschen Farben anlegen und ln Parade ausrücken, den Aufruf desErzherzogs an das Volk vom l5. Juli verlesen und dem Reichsverweserunter Geschützsalven ein dreimaliges Hoch ausbringen zu lassen, gehorch-ten zwar die kleineren Staaten, aber die drei größeren, Oesterreich, Preußen
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