404 Vorschlag zu Berathung der Grundrechte. s4. Kap.
und Bayern, hielten die Feier entweder gar nicht, oder nur mit Modifi-kationen ab. Der König von Preußen begnügte sich mit einem Armeebe-fehl (29. Juli), der mit den Worten schloß: „Soldaten! Ueberall, wopreußische Truppen sür die deutsche Sache einzutreten und nach meinemBefehl Sr. k. k. Hoheit dem Reichsverwcser sich unterzuordnen haben,werdet ihr den Ruhm preußischer Tapferkeit und Disciplin tren bewahrenund siegreich bewähren!" Hannover folgte Preußens Beispiel. DerKönig von Preußen erinnerte mit bedeutsamen Worten die Nationalver-sammlung an ihre Machtbefugnisse, als er in Köln bei der Dombauseier(14. August), wozu er selbst, der Reichsverweser, und die Nationalver-sammlung eingeladen waren, auf Gagern's Anrede erwiderte: „VergessenSie nicht, daß es noch Fürsten in Deutschland giebt, und daß ich zuihnen gehöre." Die Nationalversammlung beherzigte diese Worte nicht,bemühte sich aber, den Dahlmann'schcn Verfaffungsentwurf zur Aus-führung zu bringen, und Preußen an die Spitze Deutschlands zustellen, während Oesterreich von Deutschland ausgeschlossen werden sollte.Die österreichische oder großdentsche Partei arbeitete diesem Bestreben,das allen Erwartungen des deutschen Volks widersprach, entgegen. Dieklein-deutsche oder preußische Partei mußte, wollte sie ihr Vorhaben nichtaufgeben, privatim sür diese Idee unter den einzelnen Clubs wirken, undnicht eher an die Feststellung des Versaffungswerks gehen, bevor sie derMehrheit sicher war. Darum stellte v. Gagern einstweilen einen Theil derVerfassung, die Grundrechte, zur Berathung (9. Juli bis 12.September). Dazwischen fielen aber auch Sitzungen über sogenanntedringliche Anträge. So wurde am 15. Juli aus v. Auerswald's undv. Radowitz's Antrag beschlossen, die Centralgewalt zu ermächtigen, eineVermehrung des Heeres um zwei Procent der jetzigen Bevölkerungin Ausführung zu bringen.
In Beziehung aus den italienischen Krieg und die Lage von Wälsch-Tyrol und Jstrien erstattete v. Räumer Bericht. Die Linke, welche inden unglückseligen Nationalitätsstreitigkeiten immer auf Seiten der frem-den Nationen stand, sympathifirte mit den Italienern und mit den Polen,und Rüge sprach sogar: „wir müssen wünschen, daß die Tyrannen derItaliener, die Tilly der neueren Zeit, die Radetzky, geschlagen werden,"welche Worte einen fürchterlichen Tumult hervorriefen, v. Radowitz,Wiesner und Flix sprachen gegen die Lostrennung Italiens und Süd-tyrols, da ohne Venedig Trieft nebst der dalmatischen Küste, also Deutsch-lands Verbindung mit dem Mittelmeer, aus die Dauer nicht zu halten sei.Vom 24—27. Juli verhandelte man über Schaffrath's Antrag, wonachzwölf Abgeordnete der Deutschen aus Posen von der Nationalversamm-lung auszuschließen sein sollten. Göden, Wilhelm Jordan und v. Radowitzsprachen sür die Deutschen, Blum und Janiszewsky sür die Polen.