406 Verhandlungen über den Waffenstillstand. s4. Kap.
Bewilligung aufgelegt werden. 5) Alle bestehenden Steuern und Abga-ben , sowie andere Staatseinkünfte werden bis zum 31. December 1848von der durch die Landesversammlung anerkannten Landesregierung fort-erhoben. Ein anderer Antrag von Olshausen: „die Versammlung mögedie sofortige Abfassung und Einsendung einer Eingabe an den Reichsver-weser, und einer anderen au die Nationalversammlung mit Darlegung derGründe, welche die Annahme des Waffenstillstands unmöglich machen,und mit der Bitte um Nichtgenehmigung desselben beschließen," sowie eindritter Antrag Jansen's: „die Versammlung möge sofort den früherenBeschluß zunächst der Reichsgewalt und der Nationalversammlung anzei-gen, vorbehaltlich gründlicherer Motivirung," wurde ebenfalls angenommen.Heckscher gab am 4. September der deutschen Nationalversamm-lung die erste Kunde von dem Waffenstillstände, und legte ein Schreibendespreußischen Bevollmächtigten Camphausen nieder, das die Nichterwähnungder Centralgewalt rechtfertigte, „ weil das Ausland nur den deutschenBund kenne, und nicht dieser, sondern allein der Bundestag aufgehobensei." Dahlmann ergriff sogleich das Wort zu einer Interpellation, undforderte Sistirung der militärischen und sonstigen Maßregeln zur Aus-führung des Waffenstillstands im Namen der Lande, die sonst in Anarchiegestürzt würden, und im Namen der Ehre Deutschlands. Der Dahl-mann'schen Begründung gegenüber vermochte die Rechte (besonders v. Ra-dowitz) nur aus Gründen der Nothwendigkeit zum Nachgeben zu rathen.Wiewohl v. Schmerling die Frage zurCabinetssrage erklärte, wurde dochunter großer Bewegung der Versammlung zur namentlichen Abstimmunggeschritten, und der Dahlmann'sche Antrag mit 238 gegen 221 Stim-men angenommen. Die Minister traten ab, aber weder Dahlmann, nochv. Hermann vermochten ein neues Cabiuet zu bilden. Inzwischen liefenneue Nachrichten aus den Herzogthümern ein, daß eine Volksversamm-lung in Kiel erklärt habe, keiner anderen, als der provisorischen RegierungGehorsam zu leisten und Steuern zu zahlen, daß zwischen den preußischenund schleswig-holsteinschen Truppen Händel ausgebrochen, daß von dendurch die Höfe ernannten Regenten Vier den Antrag nicht angenommen,und der Fünfte, der Gras Karl v. Moltke, zur Flucht genöthigt worden,daß die nichtpreußischen Vundestruppen von diesem Waffenstillstandnichts wissen wollten, und der preußische Commissar v. WildenbruchKiel habe verlassen müssen, weil er von den Turnern bedroht worden sei.Unter solchen aufregenden Nachrichten begannnen am 14. September dieVerhandlungen über den Waffenstillstand von Neuem, und dauerten biszum 16. Heckscher, der die Sachlage unbefangen betrachtete, Fürst Lich-nowsky und Robert Blum thaten sich durch ebenso warme, als maßvolleReden hervor. Zuletzt wurde auf Francke's Antrag mit 258 gegen 237Stimmen beschlossen: „die Vollziehung des Waffenstillstands, soweit