Band 
(1815 - 1854)
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Arbeiteraufstand in Wien.

f4. Kap.

1846 und 1847 hatten sich die Ausgaben durch die Theuerung um10 und 16 Millionen gesteigert. Das vollständige Budget des Jahres1848 und 1849. welches Ende September dem Reichstag vorgelegtwurde, wies eine Gesammteinnahme von 101.269,403 Gulden, eineGe-sammtausgabe von 163,104,801 Gulden, wovon 52,103,338 Guldenallein auf die Verzinsung der Staatsschuld kamen, nach. Der Finanz-minister hatte die Forterhebung der directen und indirecten Steuern bean-tragt. Durch einen Compromiß der Parteien des Hauses wurde jedochnach den Reden Brauner's und Löhner's am 4. October beschlossen, daßdie Steuern nur auf sechs Monate provisorisch forterhoben werden unddie alten Steuern nicht mehr bestehen dürsten. Gleichzeitig mit demStaatsbudget überreichte auch der VersassungsauSschnß dem Reichstagdie Grundrechte zur Berathung (29. September). Ehe dieselbe statt-fand, erfolgte der Wiener Aufstand, an dem die unstaatsmännische Haltungdes Reichstags und die panslawistischen Tendenzen der großen Mehrheitdesselben nicht geringe Schuld trugen, wie die Zerfahrenheit des Reichs-tags, das tendenziöse Nationalitätsgebahren ein entschiedenes Auftretender Regierung, um die empörten Leidenschaften zu zügeln, verhinderten.

Schon am 24. August hatten die bisher im Prater bei den Staats-bauten beschäftigten Arbeiter in der Brigittenau einen Crawall erregt,weil der Arbeitsminister v. Schwarzer, dessen Verdienste um die Angele-genheiten seines Ministeriums -nicht unerheblich sind, den Tagelohn umfünf Kreuzer verkürzt hatte. Die Nationalgarde dämpfte zwar den Tu-mult, aber auch Schwarzer trat zurück, was einer Concession an die Pro-letarier ähnlich sah, wenn auch sein Rücktritt nicht darum, sondern ausUnzufriedenheit über seine Freunde, die ihm das Leben verbitterten, er-folgte. Kaum war die Bewegung des Arbeiterstandes gedämpft, als derniedere Bürgerstand durch das betrügerische Actienunternehmen Swobodäs,wobei er sich in der Hoffnung auf Staatsgarantie betheiligt hatte, indie größte Verlegenheit gerieth. Diesen Anlaß benutzte die radicalePartei, welche durch die inzwischen eingetretene religiöse Bewegung derDeutschkatholiken in den Hintergrund geschoben war, den alten Sicher-heitsausschuß wieder aufzurichten. Die Minister ergriffen militairischeMaßregeln dagegen, und der Reichstag erklärte sich damit einverstanden,als Latour ein anonymes Schreiben vorlas, wonach der Reichstag ge-sprengt und die Republik verkündigt werden sollte. Indessen setztenDr. Goldmark und seine Freunde neben der Permanenzerklärung desReichstags an nächsten Tage den Beschluß durch, daß das Militair zu-rückgezogen werde. Zugleich gewährte der Reichstag dem Finanzministereinen Credit von zwei Millionen, um die mittellosen Bürger Wiens undder Provinzen zu unterstützen. Die Plane der Radicalen waren geschei-tert; der ungarisch - kroatische Kampf begünstigte sie. Ungarn, das, wie