4. Kap.) General Jellachich und die panslawistische Bewegung. 41Z
alle Kriege gegen die Türken lehren, zum Bestehen des österreichischen Kaiser-staats nothwendig ist, hatte sich in den Märztagen losgerissen und ein nurdurch die Personalunion mit Oesterreich zusammenhängendes, sonst selbst-ständiges Reich gebildet. Dieses an Hilfsmitteln unerschöpfliche Land ver-weigerte selbstsüchtig die Theilnahme an den Lasten des GesammtstaatSund erregte den Neid und den Unwillen der anderen Provinzen. In derSucht nach freier Constituirung, welche damals die Völker beherrschte,nehmen die Südsiawen die erste Stelle ein. Sie wollten von einer Ver-bindung mit Ungarn, wie sie Jahrhunderte lang bestanden, nichts wissenund ihre Nationalität zur herrschenden des Kaiserstaats machen. Konntenun einerseits die natürliche Politik Oesterreichs das Königreich Ungarnnicht entbehren, und war damit der Kampf gegen Ungar» geboten, sokam andererseits dieser Kampf den bei Seite geschobenen Gesellschafts-klassen zu Statten, weil er zugleich ein Kampf gegen die demokratischenTendenzen Ludwig Koffuth's war. Das österreichische Ministerium unddie „Reaction" gingen daher in der ungarischen Politik Hand in Handund stützte» sich dabei auf die Südslawen und auf das Heer, von denendie Einen die Ungarn, die Andern die Revolution mit ihren Neuerungen,mit ihrer ausschweifenden Presse und ihren Pöbeltumulten haßten. DerBanus von Kroatien, General Jellachich, war ein ebenso guter Soldatund Anhänger des Kaiserhauses, als ein unversöhnlicher Feind der Un-garn und ein tiefblickender Staatsmann. Sein Verhalten kann mehraus Combinationen errathen, als aus sichern historischen Quellen dar-gelegt werden. Es scheint, daß Jellachich durch scheinbares Eingehen indie panslawistischen Träume die unleuksamen Südslawe» zügeln, ihrenStoß gegen Ungarn und die Revolution richten und ihre Treue gegen dasKaiserhaus wahren wollte. Etwaige Gelüste nach Absonderung vonOesterreich waren nach Besiegung der Ungarn leicht zu unterdrücken.Jellachich's Aufgabe gehörte zu den schwierigsten. Er wußte, daß rus-sische Agenten die südöstlichen Districte Ungarns durchzogen und bei dernichtuttirten Geistlichkeit Gehör fanden. Schon am 12. Juni hattenJllyrier und Czaikisten Karlowitz überfallen und ausgeplündert und imBacser Comitat sich ein 6000 Mann starker Hause von Raizen mit sechsKanonen unter Anführung eines verabschiedeten Hauptmanns gezeigt.Aus Bosnien, Serbien und Montenegro strömte allerlei Gesinde! herbei,um den österreichischen Serben zu helfen und durch Mord, Brand undPlünderung Schrecken zu verbreiten. Die in Belgrad erscheinende Zei-tung „der Serbe" hatte es kein Hehl, daß diese Kämpfe, welche dieUngarn meist glücklich bestanden, eine serbische Nationalangelegenheitseien, und forderte geradezu zum Abfall vom Kaiserhause auf. In Kroa-tien, wo mehrere serbische Regimenter dienten, fiel der Same des Un-krautes auf fruchtbaren Boden und drohte ebenfalls die stammver-