4. Kap.)
Die Wiener Revolution.
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weißenburg vorrückte, und eine andere Abtheilung die Brücken über dieDonau zerstörte. Jellachich war verloren, wenn ihm nicht die Ungarneinen dreitägigen Waffenstillstand zugestanden hätten. Er benutzte diesen,sich der Verfolgung seiner Gegner durch geschickte Märsche zu entziehen,überschritt die Leytha, und stand am 9. October aus österreichischem Bo-den, um bet der Züchtigung Wiens mitzuwirken. Die rückwärtsstehendenCorps gab er preis. Bei Moor nahm Major Perczel 3000 seiner unregel-mäßigen Truppen gefangen, während Görgey mit dem Landsturm an eineranderen Stelle 10,000 Kroaten mit 73 Officieren und zwei Generalenzur Ergebung nöthigte. Die gefangenen Mannschaften wurden in dieHeimat entlassen; die Offieiere blieben kciegsgefangen. Die Ungarn stan-den an der Grenze des Erzherzogthnms, bereit, sich mit den ihnen ent-gegengehenden Oesterreichern zu messen.
Dem ungarischen Mimsterinm war die feindliche Haltung des Wie-ner Ministerums und Hofes sehr wohl bekannt. Es wandte sich daherdurch eine Deputation an den österreichischen Reichstag, um seine Ber-mittelung nachzusuchen. Der Reichstag weigerte sich jedoch, die Depu-tation vorzulassen. Latonr erblickte darin eine Ermuthigung für die Re-gierung, ihre Pläne gegen Ungarn schneller auszuführen. Am 4. Octoberernannte er den Ban Jellachich zum Oberbefehlshaber in Ungarn, undgab einzelnen Bataillonen Marschordre, um das Heer des Bans zu ver-stärken. Die ungarische Deputation sah die kommende Gefahr, undscheute kein Mittel, sie abzuwenden. Ihre Reden und noch mehr ihrGeld verführten die österreichischen Truppen zu Widersetzlichkeiten. Am5. October beschloß eine Volksversammlung im Odeon, keine Truppenmehr abziehen zu lassen, Am 6. October verhinderten die Nationalgar-den und die akademische Legion, welche den Bahnhof besetzt hielten, denAbmarsch der Grenadiere, die mit dem Volk fraternisirten. Kuirasstereund polnische Infanterie suchten vergeblich, den Bahnhof zu nehmen, undverloren ihren General und ihre vier Kanonen. Zwei von diesen Ge-schützen führte das Volk im Triumph auf dem Stephansplatz, wo esPlötzlich von den Garden des wohlhabenden Kärnthner Viertels, welchedie Kirche besetzt hielten, mit Schüssen empfangen wurde, wahrscheinlich,weil einige Leute aus dem Volke Sturm läuten wollten. So entspannsich ein neuer und erbitterter Kamps zwischen Bürgern und Bürgern, inwelchem der größte Theil der Kärnthner Garden umkam. Am Gebäudedes Kriegsministerinms fand ein kurzer Kamps zwischen Nationalgarden,Akademikern und Volk einerseits und den Grenadieren andrerseits statt,worauf die letzteren ihre Bayonnete abnahmen, und dem rasenden, sinn-losen Volk den Kriegsminister verriethen. Der unglückliche Greis wurdein seinem Versteck entdeckt, hinabgeschleppt und todtgeschlagen, worausder wilde Haufe noch den Leichnam an einen Laternenpfahl hing. Eme