Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
Seite
423
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4. Kap.) Rücktritt d. Minist. Hansemann. — General v. Pfuel. 423

Alle drei liefen auf ein und dasselbe hinaus: auf ein Mistrauensvotum(freilich in ungewöhnlicher. Form) gegen das Ministerium. Die Rechtesprach mit Nachdruck gegen die Einmischung einer constituirendenNationalversammlung in die Verwaltung und der Ministerpräsident erklärtegeradezu: „das Ministerium wird derAussührungsausschuß eines Konvents,wenn der Sitz der Regierungin den Schoos der Nationalversammlungverlegt wird." Nach einer sechsstündigen Debatte gelangte man zur Abstim-mung (7. Sept.). Der Antrag Stein's aus unbedingte Ausführung des frü-heren Beschlusses wurde mit einer Majorität von67 Stimmen angenommen.Dieser Beschluß fand eine sehr getheilte Aufnahme im Lande; man fühlte,es sei ein entscheidender Wendepunkt im Staatsleben gekommen. DieGemäßigten sahen schon im Geist den Staatswagen die abschüssige Bahnder Revolution hinabstürzen; die Demokraten und Bürgerwehren über-sahen, in ihrem Jubel über die „Ermannung" der Nationalversammlung,gänzlich die Gefahren, welche ihnen, wie dem preußischen Staate drohten.Den Einen war daran gelegen, die Konsequenzen der „Volkssouverainetät"abzuschneiden; die Anderen wollten ein abstraktes Princip, dessen Lebens-fähigkeit sich nach ihrer Anficht trotz der tausend Gegenbeweise von selbst ver-stehe, zur theoretischen Anerkennung bringen. Das Ministerium dankte am11. September ab, und die Versammlung vertagte sich bis zum 19.v. Beckerath, zur Bildung eines neuen Cabinets berufen, fand mit seinemganz liberalen Programm, welches unter anderen die Forderung der un-bedingten Unterwerfung Preußens unter die Beschlüsse der deutschen Na-tionalversammlung enthielt, eine schlechte Aufnahme in Sanssouci. DerKönig ernannte den General Wrangel zum Oberbefehlshaber aller Trup-pen in den Marken (15. September), und den General v. Pfuel zumMinisterpräsidenten und Kriegsminister (21. September). Die übrigenStellen wurden mit Verwaltungsbeamten besetzt: das Innere bekamEichmann, das Aeußere Gras Dönhoff, die Finanzen, Handel und Ge-werbe v. Bonin, die Justiz Kisker, den Cultus v. Ladenberg.

Bei der Wiedereröffnung der Nationalversammlung, im Concert-saale des Schauspielhauses, ergriff Hansemann für das abgetretene, v.Pfuel für das neue Ministerium das Wort. Zwar fiel die Linke zuerstsehr stürmisch mit Interpellationen über die Minister her: „was die50.000 Soldaten um Berlin sollten?" „wozu Wrangel zum Oberbefehls-haber der Marken ernannt sei?" „was er für Jnstructionen habe?" — gabsich aber mit Psuel's Erklärungen zufrieden. Als der Ministerpräsidenterklärte: „er habe einen dem Stein'schen Antrage entsprechenden Erlaß andie Generalcommandos abgesandt, und die Anficht aussprach: Preußenwerde die Centralgewalt stets brüderlich unterstützen," schien es, als sei dieNationalversammlung gesonnen, mit dem Ministerium gemeinschaftlich zugehen. Den Landleuten zu Gefallen, welche schon längst murrten, daß die