Band 
(1815 - 1854)
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Berlin in Belagerungszustand.

14. Kap.

sie durch den Beschluß über die Eingangsformel zur Verfassung festgestellthatte, keine constituirende, sondern die königliche Macht bestand factischnoch mit allen Rechten und Befugnissen, und ruhte zudem aus derloyalen Gesinnung einer großen Mehrheit der Preußen, einer Gesin-nung, die durch gewisse Beschlüsse der Nationalversammlung noch gekräf-tigt worden war. Dennoch wagte sich diese Gesinnung in den erstenTagen jenes Conflicts nicht hervor, sondern die Nationalversammlungallein erhielt beistimmende Adressen vieler städtischen Behörden, demokra-tischer, konstitutioneller und Bauernvereine, bis nach der königlichen Pro-klamation vom 11. November, der Auslösung der Berliner Bürgerwehrund der Verhängung des Belagerungszustandes über die Hauptstadt(12. November) der Staatsanzeiger und die Neue preußische Zeitungdie ersten dem Ministerium günstigen Adressen veröffentlichten. Damitwar der Bann gebrochen und das Ministerium empfing in dem Maßebeifällige Adressen, als die der Nationalversammlung günstigen abnahmen.

Wrangel rückte mit 25.000 Mann am 10. November in Berlinein, besetzte das Schauspielhaus und verhinderte die Sitzungen der Na-tionalversammlung. Dennoch hielt dieselbe noch einige Sessionen imHotel de Russie, im Schützenhause, im Stadtverordnetenlocal und imMielentz'schen Saale, setzte eine Denkschrift über die Anklage der Ministerwegen Hochverraths nieder (13. November), und schleuderte endlich ingrenzenloser Erbitterung über die Militairmacht, welche sie jedesmal ver-jagte, wenn sie berathen wollte, am 15. November den Beschluß derSteuerverweigerung ins Land. Dieser Beschluß schadete der Versamm-lung ungemein und raubte ihr die letzten Sympathien der konstitutionellenund der Bauern. Zwar gab es in den Provinzen einige Unruhen, beson-ders in Breslau, von wo ein Placat in ganz Schlesien verbreitet wurde,das zum Zuzug und zur Empörung aufforderte. Außer Schmiedebergund Bernstadt regte sich nichts. Die Zusammenziehung der Landwehrmachte einige, aber nicht erhebliche, Schwierigkeiten; dagegen erboten sichmehrere hundert Gutsbesitzer, die Steuern nöthigenfalls vorschußweise zuzahlen. Mit dem 19. oder 20. November waren alle gegen das Mini-sterium gerichteten Bewegungen gescheitert, das Land ruhig und die kon-servativen athmeten auf. Die Gerichte rüsteten sich, politische Processeeinzuleiten, um die Häupter der demokratischen Bewegung einzuschüchternoder auf einige Jahre unschädlich zu machen und empfingen ihre durch dieRevolution emporgehobenen Präsidenten mit Mistrauensadreffen. DieNeue preußische Zeitung begann die „Enthüllungen" von Ohm, Piersigund Gödsche, deren Unwerth zwar im Waldeck'schen Processe offenbarwurde, die aber den Demokraten unendlich schadeten und den Fanatis-mus, die Furcht und Verfolgungssucht der Gegenpartei steigerten. Trotzmancher Unruhen im Lande scheuten doch alle Parteien den Kampf, dessen