Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
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431
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4. Kap.)

Die groß- und kleindeutsche Partei.

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Oesterreich in den zu gründenden deutschen Bundesstaat nicht eintretenkönne, dagegen sein Unionsverhältniß zu Deutschland mittels einer beson-deren Unionsacte zu ordnen, und darin alle die verwandtschaftlichen, gei-stigen und materiellen Bedürfnisse nach Möglichkeit zu befriedigen seien,welche Deutschland und Oesterreich von jeher verbunden hätten und ingesteigertem Maße verbinden könnten." Das war allerdings nicht eine Ein-heit Deutschlands, wie man sie allgemein erwartet hatte, sondern vielmehrder „Bankerutt der Einheitsidee." Preußen sollte an die Spitze gestelltwerden, weil es sich sonst mit Erfolg geweigert haben würde, dem einigenDeutschland beizutreten und weil man Niemand gehabt hätte, der etwa sichWeigernde zu zwingen im Stande gewesen wäre. Dieses Gagern'scheProgramm veränderte die Parteistellung des deutschen Reichstags. Esbildete sich eine großdeutsche und eine klein deutsche Partei. Dieerstere wollte Oesterreich im Gesammtbunde behalten, die andere es aus-scheiden und nur als völkerrechtlichen Alliirten annehmen, und Preußen andie Spitze des um Oesterreich verkürzten Deutschlands stellen. Den Kernder ersten Partei bildeten die meisten Oesterreichs und Bayern, den deranderen die meisten preußischen und kleinstaatlichen Abgeordneten. DieLinke und äußerste Linke wußten diesen Zwiespalt der Interessen so gutfür sich auszubeuten, daß sie durch wechselseitiges Unterhandeln mit denParteien eine ihrer Grundlage nach demokratische Verfassung zu Standebrachten. Die Abstimmung über das Gagern'sche Programm erfolgte am13. Januar 1849. Es wurde mit 261 gegen 244 Stimmen genehmigt,wiewohl vielerlei Bedenken dagegen laut wurden. Allein die privatim wie-derholten Versicherungen der Preußischen Staatsmänner, daß FriedrichWilhelm I V. seinem Versprechen: „Preußen solle in Deutschland aufgehen"treu bleiben werde, ferner jene patriotische That, welche v. Schmerling am23.October1848 mit den Worten verkündigte: „Preußen betrachtet seinganzes Heer von 326,000 Mann als Reichstruppen und stellt es zurVerfügung der Centralgewalt", hatte das Vertrauen zum preußischen Ca-binet gesteigert, welches die damals schon offenkundigen particularistischenBestrebungen der kleinen Königreiche allein in Schranken halten konnte.

Von der anderen Seite war darauf hingewiesen worden, daß mandie Verhältnisse nach der Verfassung, nicht umgekehrt diese nach denVer-bältniffen modeln wolle, daß Frankfurt nicht Deutschland sei und einesehr problematische Macht besitze Eine Note des österreichischen Mini-steriums vom 28. December 1848 hatte erklärt: „Oesterreich sei heutnoch deutsche Bundesmacht und gedenke diese Stellung nicht aufzugeben.Es suche eine gedeihliche Lösung der großen Frage, wie eine innige Ver-schmelzung der verschiedenen Bestandtheile Deutschlands herzustellen sei.Diese Lösung sei nur auf dem Wege der Verständigung mit dendeutschen Regierungen zu erreichen, unter welchen die kaiserliche den