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Ermordung des Grafen Rossi.
f4. Kap.
Rosst machte die traurige Erfahrung, daß er das „V o l k" bei seinem Calcülvergessen habe. Am 14. September 1848 trat er an die Spitze des rö-mischen Ministeriums und wurde von der republikanischen Partei sogleichmistrauisch empfangen. Sie schrie über Reaction; aber Rosst that nichts,als daß er Ordnung und Sicherheit schuf, die Landstraßen von Räubern,die Städte von Anarchisten und habsüchtigem Pöbel reinigte. Am übel-sten legte ihm die nationale Partei den Befehl zum Rückzug der italieni-schen Legion von den österreichischen Grenzen aus, weil dieser Schritt leichtals Einverständniß mit Radetzky und König Ferdinand, Personen, welcheden Demokraten am verhaßtesten waren, gedeutet werden konnte. Nochmehrere andere verdächtige, gegen die „Volkssreiheit" unternommene Schrittefolgten. Sterbini griff den Minister im 6oirtsrnporarrsc> heftig an undreizte das Volk gegen Rosst auf, „der die alte Polizei verjüngen, die Frei-heit verachten, und mit Kanonen und Belagerungszustand die Volksrechteniederschmettern wolle."
Am 15. November sollten die Kammern eröffnet werden. Rossihatte alles entbehrliche Militair nach Rom gezogen, da er der xusräaeivioa mistrante. Unbegreiflicher Weise erbitterte Rossi die empfindlichenRömer noch durch einen gegen die nationalen Wünsche gerichteten Artikelder Gazetta di Roma. Deshalb setzte sich bei Eröffnung der Kammernder größte Theil der Abgeordneten auf die Linke und nur vier ins Cen-trum. So erwartete mau den Minister, als die Botschaft in den Saalkam, Rosst sei eben auf den ersten Stufen des Capitols mit einem Dolchniedergestoßen worden. Lautlos gingen die Abgeordneten auseinander.Nachmittags erschien ein revolutionäres Flugblatt, worin das Volk aufge-fordert ward, die alten Beamten, welche „dem Nero gedient und sich für dieRegierung eines Titus nicht mehr eigneten", zu vertreiben. Abends sra-ternisirten schon die Carabiniers mit der Nationalgarde und beide mit demVolk, welches vom Papst die Berufung eines demokratischen Ministeriumsund der italienischen constituirenden Versammlung forderte. Eine ähnlichePetition ging der Deputirtenkammer zu, die sich eine Ehre daraus machte,den Volkshaufen nach dem Quirinal zu folgen. Der Papst vernahm dieForderungen des Volks mit Unwillen und wies sie ab, in seinem Vorha-ben vom spanischen und russischen Gesandten unterstützt. Vor dem Pa-last gerieth das Volk in ein blutiges Handgemenge mit den Schweizern,welche die Person des Papstes bewachten. Das Volk führte Geschütz ge-gen den Palast auf und beschoß ihn mehrere Stunden. Da gab Pins IX.nach und bildete das verlangte Ministerium Mamiani, Rosmini, Ster-bini, Campello, Lunati, Sereni und Galletti. Im Augenblicke hatte sichdas befriedigte Volk zerstreut und überließ die Durchführung der Revolu-tion den Ministern, den Kammern und den Demagogen. Die Minister,welche zwar an der Zusammenrusung einer constituirenden Versammlung