Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
Seite
439
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4. Kap.) Flucht Plus IX. und des Großherzogs von Loscana. 439

zu Rom und der Entwerfung einer Bundesacte arbeiteten, mußten dochbestrebt sein, einige Ordnung zu schaffen, was den Demagogen nicht rechtwar. Die Kammern zogen sich dagegen ganz zurück, aus Furcht vor demSiege der Radicalen und dem Pöbelterrorismus. Somit blieb den De-magogen das Feld offen. Unter denselben zeichnete sich der junge Fürstvon Canino aus, welcher das ehrgeizige Streben seines Geschlechts in derWissenschaft und in der Politik nicht verleugne» konnte. Der Papst ent-floh mit Hilfe des bayrischen Gesandten, Grafen Spaur (24. November),nach Gaeta und erklärte alle Acte seiner Regierung seit dem 16. für »n-glltig. Zugleich forderte er Gehorsam für sein neues Ministerium Castra-cani-Zucchi. Die Entrüstung des Volks war unerhört und die Zeit derDemagogen, welche sich um Garibaldi und den Mazzinisten de Bonischarten, war gekommen. Die Ruhe in Rom wurde mit musterhafter Ord-nung aufrechterhalten und Preise auf die besten populären Schriften überpolitische und sociale Fragen ausgesetzt. Der Papst schleuderte seinenBannfluch gegen Rom und vor ihm entflohen die Mitglieder des römi.schen Parlaments. Das Volk antwortete mit einem Leichenzuge, bei wel-chem die rothen Cardinalshüte in die Tiber geworfen wurden. Am 5. Fe-bruar 1849 wurde die römische Constituante eröffnet und AbgeordneteItaliens zur Abhaltung eines italienische» Parlaments einberufen. Derwichtigste Beschluß desselben war, daß der Papst seiner weltlichenMacht für immer entkleidet und die republikanische Staatsform im Kir-chenstaate eingeführt werden solle. Der Papst solle seine geistliche Machtungestört ausüben dürfen. Die römische Republik würde mit dem übrigenItalien in eine gemeinsame nationale Verbindung treten.

In Toscana hatte der milde Großherzog das radicale Ministe-rium Guerazzi-Montanelli einsetzen müssen (27. Oktober 1848).Am 22. Januar 1849 legte Montanelli der 'Abgeordnetenkammer einenGesetzentwurf in Betreff der italienischen constituirenden Versammlungvor, welcher genehmigt wurde. Da verließ der Großherzog mit seiner Fa-milie Florenz (/.Februar), und begab sich, mit Hinterlassung eines Schrei-bens an den Ministerpräsidenten, worin er erklärte, daß ihn sein Gewissenzwinge, die Einwilligung zu der Nationalversammlung zurückzunehmen,weil er sich sonst Kirchenstrafen zuziehe, nach Siena und am 22. nach Gaetazum Papst. Die Deputirtenkammer setzte nun einstimmig Guerazzi, Man-zoni und Montanelli als Regierungscommission ein (8. Februar), welchedie Truppen und Bürgerwehren ihres dem Großherzog geleisteten Eidesentbanden. Auch in Rom traten Triumvir» an die Spitze: Armellini,Saliceti und Montecchi, welche in ihrem Programm Freiheit der Culte,des Unterrichts, der Gemeinden u. s. w. verhießen. Was den Bewegungs-mannern beider Staaten vorschwebte, war eine italienische Republik, welchedem „Ehrgeiz Karl Albert's, wie der Grausamkeit des „Bomben-Königs"