Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
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449
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4. Kap.)

Radetzky's Einzug in Venedig.

449

Am längsten hielt sich die Republik in Venedig, das wegen seinerLage in den Lagunen fast uneinnehmbar ist. Die österreichische Flotteunter Dahlerup konnte nicht verhindern, daß kleine Fahrzeuge sich durchdie Inseln nach Venedig schlichen und die Stadt verproviantirten. Einganzes Armeecorps rückte unter Haynau im März 1849 vor Venedigund richtete seinen Angriff zunächst auf das Fort Malghera, den Brücken-kopf der Stadt. Ein dreißig Tage anhaltender Regen hemmte die Bela,gerungsarbeiten und schadete den Truppen fürchterlich. Darauf folgte eineGlühhitze, welche der Gesundheit der Belagerer nicht minder nachteiligwar, aber wenigstens die Aufnabme der Belagerungsarbeiten gestattete(26. April). Am 4. Mai begann Thurn die Beschießung aus 110 Feuer-schlünden, denen venetianischerseits 200 Geschütze antworteten, die abereinen verhältnißmäßig unbedeutenden Schaden anrichteten. Den Verthei-digern Malgheras mangelte bald die Munition und die Kasernen drohteneinzustürzen. Am 27. Mai mußte Malghera geräumt werden, zumal diefür unmöglich gehaltene Beschießung der Eisenbahnbrücke dennoch mög-lich geworden war und je länger desto mehr den Rückzug nach Venedigerschwerte. Um 4 Uhr Morgens erstiegen die Oesterreicher das Fort,wurden aber zum Theil durch eine gelegte Mine vernichtet. Ein Versuchder Oesterreicher, von Luftballons aus Bomben nach der Lagunenstadtzu werfen, mislang, da die in den oberen Luftschichten anders wehendenWinde die Luftballons bei Seite trieben und die Bomben über dem Meereplatzten. Die österreichische Regierung ließ nun durch Herrn v. Bruckmit Manin unterhandeln, während weittragende Geschütze aus Wien nachItalien abgingen. Die Unterhandlungen scheiterten und der Angriff be-gann von Neuem. Am 29. Juli schlugen die ersten feindlichen Kugelnin Venedig ein, was große Bestürzung und anarchische Bewegungen her-vorbrachte. Am 22. August erklärte sich Manin zur Kapitulation geneigt.Der General Gorczkowsky, welcher zuletzt die Belagerung geleitet hatte,gewährte allen übergegangenen Truppen und Osficieren, den Fremden undvierzig besonders Compromittirten freien Abzug, allen Uebrigen eine voll-ständige Amnestie. Am 28. besetzte Gorczkowsky die Stadt und am 30.hielt Radetzky seinen Einzug in Venedig, nachdem er am 18. bereitseine bedingte Amnestie für die Lombardei verkündigt hatte. Die Oester-reicher standen in Italien wie in einem Feldlager, von dem sich keiner weitentfernen durfte, ohne den Dolchen Mazzini'scher Meuchelmörder zu erlie-gen. Daß die Stimmung der Oesterreicher eine sehr erbitterte war, daßste sich zu manchen Handlungen hinreißen ließen, die, ohne Erwägungder Umstände, barbarisch erschienen, wiedas Auspeitschen vornehmer Frauen,— wer dürfte sich darüber wundern! Da eine von den Oesterreicher»ausgeschriebene freiwillige Anleihe von 100 Millionen Francs bei denLombarden keinen Anklang fand, weil die letzteren von Mazzini'schen BotenWeltgeschichte. IH, 2g