Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
Seite
450
JPEG-Download
 

450

Flüchtlingsangelegenheiten.

(4- Kap.

mit dem Tode bedroht wurden, so verwandelte Radetzky die freiwillige ineine Zwangsanleihe. Dennoch zeigte sich die österreichische Regierung äußerstmild gestimmt, indem fie am 20. Juli 1851 die Eröffnung des Frei-hafens von Venedig, welches gänzlich verarmte, wieder gestattete. DerKaiser Franz Joseph l. besuchte 1852 bei einer großen Reise durch seineStaaten auch Italien, und wurde hier festlich und herzlich empfangen.Die plötzliche Devalviruug der 1851 erst in Cours gesetzten und für Ita-lien bestimmten Zwanzigkreuzer und Sechskreuzer erregte in der Lombar-dei manche Noth und Unzufriedenheit, die indeß nicht so groß war, daßder tolle und schändliche Revolutionsversuch Mazzini's in Mailand (6.Februar 1853) AuSstcht auf Erfolg hätte haben können. Radetzky ver-fuhr gegen die Meuchelmörder mit Strenge und traf gleich solche Maßre-geln, daß den Mailändern alle Lust verging, sich bei einem Attentat zubetheiligen, das, wenn irgend eins, in jedem rechtlich denkenden Menschenalle Theilnahme, alles Mitleiden für die des Vaterlandes beraubten Re-volutionshelden von London zu vernichten geeignet war. Der CantonTesfin war das Waffendepot der Verschwörer gewesen, und von hier wur-den Emissäre nach Piemvnt gesandt, weiche die lombardischen Flüchtlingezu einem Einfall in Oesterreich-Italien verführten. Glücklicherweise erhieltdie sardinische Regierung Kunde davon und sandte Militair nach, welchesdie Flüchtlinge, denen es eine Freistatt gewährt, entwaffnete. Die kaiser-liche Regierung legte der Stadt Mailand eine bedeutende Kontributionaus (11. April), brach die Verbindungen mit der Schweiz ab, und ver-fügte (28. Februar) die Gütersequeftration der gesammten lombardisch-venetianischen Emigration. Da aber dieser Fall von den Betroffenenschon vorausgesehen war, so hatten sie ihre Güter an englische und nord-amerikanische Kapitalisten verpfändet, welche nun Einspruch erhoben. Diesführte zu vielen unangenehmen Erörterungen zwischen den betheiligten Regie-rungen. Besonders empfindlich wurde Sardinien dadurch getroffen, daß Ra-detzky auch die Unterstützungen, welche die Flüchtlinge von ihren Verwand-ten in der Lombardei empfingen, unter Sequester gelegt hatte, da es sichjetzt in der Lage befand, viele Tausend von mittellosen Emigranten zu er-nähren. Vergebens erhob das Turiner Cabinet Einsprache in Wien, un-terstützt durch englische, französische und nordamerikanische Noten; verge-bens stellte Sardinien vor, daß es schon am 10. Februar alle Flüchtlinge,welche das sardinische Gastrecht zu einem Angriffsversuch aus die Lom-bardei gemißbraucht hätten, verwiesen, und die übrigen Emigranten,mit Ausnahme der Angestellten, intemtrt habe. Der Kaiser von Oester-reich blieb unerschütterlich. Da that die sardinische Regierung einenoffenen Schritt.zu Gunsten der Emigrirten. Der Ministerpräsidentvon Cavour legte den Kammern einen Gesetzentwurf wegen Eröffnungeines Credits von 400,000 Lires vor, welche zu Darlehen an lombar-