454 Vorbereitungen zum ungarischen Kriege. s4. Kap.
schaffung der Differentialzölle. Am 14. November 1853 trat die Kam-mer zusammen, in der Cavour keinen Halt finden konnte. Er löste fie des-halb auf (21. November) und errang in den Neuwahlen eine compacteMehrheit, die ihm die JndemnitätSbill für eine Verwaltungsmaßregel,welche die Ausweisung fremder Mönche betraf, zugestand.
In Parma, wo nach Ermordung des Herzogs eine vormundschaftlicheRegierung bestand, war wieder ein Aufstand ausgebrochen (Juli 1854), derglücklich vereitelt wurde. Wie viele Aufstände haben die Italiener schon ver-gebens gemacht! wie gering ist die Hoffnung des Gelingens! Aber wie großmuß dort der Haß gegen das mit Oesterreich verbundene Fürstenthum sein,wenn sich immer noch einige Hundert bethörter Menschen finden, die, allerAussicht auf Erfolg beraubt, dennoch ihre verbrecherischen Versuche er-neuern und ihr Leben daran wagen!
55. Der ungarische Krieg.
Als die Thronentsagung Kaiser Ferdinands I. in Ungarn bekanntwurde, erklärte der ungarische Reichstag dieselbe für ungiltig, „weil derKönigsthron nur mit Einwilligung der Nation bestiegen werden könne"(8. November). In Wien war man nichtsdestoweniger entschlossen, diegesetzlichen Herrscherrechte geltend zu machen und jeden Widerstand nie-derzuschlagen. Es wurden einige Armeecorps ausgerüstet und unter denBefehl des Fürsten Windischgrätz gestellt. Das erste Armeecorps befehligteder Ban Jellachlch, das zweite Graf Wrbna, das dritte Serbelloni. Letzte-res Corps diente als erste Reserve, während die zweite Reserve unter Weidenin Wien zurückblieb. Die Oesterreicher begannen die Operationen mit 45Bataillonen, 54 Escadrons, 228 Geschützen und 10 Brückenequipagen.Darin find die abgesonderten Corps von Puchner (40,000 Mann) inSiebenbürgen und Graf Schlick (12,000 Mann) in den Karpathen, dasgalizische Corps unter Legeditsch (30,000 Mann) und das von Steier-mark aus operirende Corps unter Nugent (10,000 Mann) nicht einbe-griffen. Ludwig Kossuth brachte durch eine fabelhafte Thätigkeit 200,000Ungarn unter die Waffen, ließ Tag und Nacht Pulver machen, Kugelngießen, Waffen schmieden, und fabricirte mit einer Schnellpresse meh-rere Millionen ungarischer Banknoten. Indeß waren jene 200,000 Mannnoch nicht kriegsfähig; vielmehr mußte Meßaros die regelmäßigen Regi-menter meistens auflösen, um daraus Stämme für die Honveds zu gewin-nen. Als Oberbefehlshaber fungirte der polnische General Dembinski undunter ihm commandirten Arthur Görgey, Klapka in Ungarn, Perczel ge-gen die Serben, welche der türkisch-serbische „Nationalheld" Knicjaninführte, Bem in Siebenbürgen. Der Krieg war nicht blos ein Jnsurrections-krieg, sondern auch ein Raoeukrieg, und wurde namentlich in Siebenbürgen