4. Kap.) Abberufung des Fürsten Windischgrätz. 457
fie ihren panslavistischen Träumen näherbringen und das österreichischeKaiserhaus in Dankbarkeit an den Ezaren knüpfen sollte. General Ludersentsandte zwei Brigaden (6000 Mann mit 20 Geschützen) unter Gene-ral Engelhardt und Oberst Skariatine, welche Kronstadt und Hermannstadtbesetzten. Bem verfügte über 30,000 Mann eingereihte Honveds und15,000 Szekler; Puchner und Engelhardt über eine gleiche Zahl. Nacheinigen kleinen Niederlagen siegte Bem am 9. Februar in der blutigenSchlacht bei Piski und am 10. bei Alvintz, worauf sich Schäßburg ergab.Sodann wandte er sich nördlich, gleichsam als beabsichtige er einen Ein-fall von der Bukowina in Galizien, was den Russen so bedenklich erschien,daß General Freitag von Beffarabien bis an die Grenze der Bukowinavorrückte. Bem ließ nun vonMalkowski und Hurban ab und wandte sichwieder gegen Puchner, dessen Generale Gedeon und Schurter er einzeln schlug,worauf er Hermannstadt einnahm. Da entschloß sich der greise Puchner,mit seinen entmuthkgten Truppen und den Russen durch denRothenthnrm-paß aus walachischen Boden zu flüchten, von wo fie mit russischen Ver-stärkungen bei gelegenerer Zeit zurückkehrten. Die Pforte legte einen nutz-losen Protest dagegen ein, daß ein bewaffnetes Corps ein osmanisches Ge-biet zum Kriegstheater machte.
Sehen wir auf Ungarn zurück, wie die „endliche Vernichtung derRebellen" vor sich geht. Am 19. März begann Melden die BeschießungKomorns, beschränkte sich jedoch nach einigen Tagen mit der bloßen Ein-schließung, da keine seiner Bomben die Stadt erreicht hatte.. Görgey schlugdie Generale Götz und Jablonowski und die Freiwilligen unter Hurban,sodaß sich Feldmarschall-Lieutenant Ramberg mit Hinterlassung von Ge-päck und Kanonen nach Waitzen zurückziehen mußte. Graf Schlick erlagbei Gyöngyös gegen Dembinski; der Banus mußte Czegled räumen. Alleösterreichischen Corps verließen die Stellungen an der Theiß „aus strate-gischen Rücksichten", und die Magyaren folgten eilig diesen Bewegungen.Ende März standen die Oesterreicher im weiten Bogen um Pesth, wo vom1. bis 8. April unaufhörliche Scharmützel stattfanden, welche den Fürstenund den Ban regelmäßig aus Pesth aufscheuchten. Diese Plänkeleien dien-ten dazu, den Oesterreichern die beabsichtigte Vereinigung Görgey's mitDembinski, welcher die österreichische Armee umging, zu verbergen. Am10. April stürmten die Ungarn Szent-Endre, schlugen eine Tonnenbrückeüber die Donau und überfielen die Division Csorich bei Waitzen, wo dieBrigade Götz ganz zersprengt und ihr General erschossen wurde. In Pesthrüsteten sich die Oesterreicher zum Aufbruch. Um wenigstens eine Trophäenach Hause zu bringen, ließ Windischgrätz Komorn fürchterlich bembar-diren. Da erschien ein kaiserlicher Courier und brachte ihm, nebst mehre-ren anderen Generälen, die Abberufungsschreiben (12. April). Feldzeug-meister v. Melden bekam den Oberbefehl und brachte frische Generäle