Band 
(1815 - 1854)
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Einmarsch der Russen in Ungarn.

s4 Kap.

mit: den fähigen Wohlgemutb, den umsichtigen Castiglione und den tap-fern Benedek. Dennoch vermochten auch diese die Ungarn nicht aufzuhal-ten. Görgep siegte am 18. April bei Neuhäusel über Wohlgemuth undsetzte sich am 20. mit Komorn in Verbindung. Melden sah, daß die Ar-mee bei der vom Fürsten Windischgrätz beliebten Aufstellung unfehlbar zuGrunde gehen müsse. Er räumte daher Pesth, indem er dem wackernHentzi die Vertheidigung Ofens überließ, und concentrirte die Armee im nord-westlichen Ungarn, um von da den Feldzug von Neuem beginnen zu können.Am 24. April zogen ungarische Husaren in Pesth ein, von ihren Lands-leuten mit lauten Eljens empfangen. Vornehme Damen umarmten aufoffener Straße die Husaren, das Volk küßte ihre Pferde. Alle Straßenwaren mit Laubwerk, die Häuser mit den Landesfarben geschmückt. Ko-morn wurde am 28. April ganz entsetzt. Als Klapka und Damsa-nich vor der Stadt anlangten, machte Guyon einen kräftigen Ausfall,worauf Simunich für gut fand, die Belagerung ganz aufzuheben. Am4. Mai fing Görgep an, Ofen zu belagern und erstürmte es am 21.,trotz der tapfersten Gegenwehr des Generals Hentzi und seiner helden-müthigen Mannschaft. Görgep meldete den Sieg nach Debreczpn mitden Worten: Hurrah! Buda! Görgep! und erhielt die Antwort: denDank der Republik, Herr Feldmarschall-Lieutenant!

Zur Erklärung dieser Worte ist es nöthig, uns die Verhandlungendes ungarischen Reichstags etwas näher zu rücken: Am 18. April hatteder Reichstag zu Debreczpn die Union Ungarns und Siebenbürgens be-schlossen, das Haus Habsburg-Lothringen des ungarischen Throns entsetztund Ludwig Koffuth interimistisch zum Dictator ernannt. Dieser Schrittdes Reichstags veranlaßte eine Spaltung der Magyaren; die konserva-tiven fielen von Kossuth ab und sandten Unterwersungsschreiben nachWien. Hier war man in der größten Verlegenheit, wie man den Scan-dal einer so nahen Republik schleunigst beseitigen und die österreichischeWaffenehre retten sollte. Eine große Armee war vernichtet; eine andere,ebenso bedeutende, stand in Italien wie festgebannt. Wien und Galizienmußten im Zaum gehalten und in Böhmen und Mähren die separatisti-schen Gelüste überwacht werden. Unter solchen Umständen nahm derKaiser die dargebotene Hilfe Rußlands an und verkündigte dies am1. Mai der erstaunten Welt. Am 7. Mai rückten zwei russische Corpsunter Rüdiger und Tscheodajeff in Galizien ein, während die DivisionPaniutine auf der Eisenbahn von Warschau über Kosel nach Wien, geradeauf den Kriegsschauplatz dirigirt wurde. Grabbe marschirte zur DeckungKrakaus an die obere Waag; Lüders und Saß drangen durch die Wal-lachei in die Bukowina vor. Die ganze Armee von 170,000 Manncommandirte der Fürst Paskiewitsch. Die Oesterreich», in der Gesammt-stärke von 150,000 Mann, befehligte Haynau, der an Welden's Stelle