Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
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475
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4. Kap.) Beschluß zur Wiederherstellung des Bundestags. 475

v. Auerswald, neben dem v. Watzdorf und der Fürst Solms-Lich alsVicepräfidenten fungirten. v. Radowitz eröffnete als königlicher Kommis-sar das Parlament, verlas die königliche Botschaft und überreichte die Ge-setzentwürfe. Am 13. und 17. April nahm das Parlament, trotz der Ge-generklärung Radowitz's und der preußischen Minister, die Verfassung snbloa an (125 gegen 89 Stimmen), „da," wie der Verfechter des Rechts-bodens, v. Vincke, sagte, „es nach dem preußischen Landrecht keiner be-sonderen Annahme der Regierung (des einen Paciscenten) bedürfe, wennder andere Theil das Vorgeschlagene bewilligt." Die Revision dauerte biszum 29- Mai und wurde im liberalen Sinne beendigt. Bald darauf folgtedie Vertagung. Fast gleichzeitig fand in Berlin ein Fürstenrath statt(10 — 16. Mai 1850), wo besonders der Herzog von Gotha sich fürein entschiedeneres Vorgehen der preußischen Regierung ausgesprochen ha-ben soll. Auch wurde am 12. Juni 1850 ein provisorisches Fürsten-collegium constituirt. Es ist keine Frage, daß dem deutschen Volke derpreußische Entwurf viel besser gefiel, als der Münchener vom 27-Februar1850, welchen die drei Könige von Bayern, Sachsen und Württembergvereinbart und der Oeffentlichkeit vorgelegt hatten. Dieser MünchenerEntwurf brachte das Lieblingsproject des bayrischen Hauses: die dreifacheDirectorialregierung, wieder zum Vorschein, und stellte, gewissermaßen alsConcession gegen den Zeitgeist, eine von den Landständen gewählte Natio-nalvertretung in Aussicht.

Jetzt begann der diplomatische Krieg zwischen Oesterreich und seinenVerbündeten einerseits, welche den alten Bundestag zurückwünschten, undPreußen und seinen Alliirten andererseits, welche eine neue Form derEinheit suchten. Eine österreichische Circulardepesche vom 26. April 1850erklärte die Versuche der Bundesreform für gescheitert und lud die deut-schen Regierungen ein, Bevollmächtigte zu der am 10. Mai in Frankfurtzu eröffnenden Bundesplenarversammlnng zu senden. Hier fanden sichBevollmächtigte von Oesterreich, Bayern, Hannover, Sachsen, Württem-berg, Holstein, Luxemburg, Hessen-Homburg, Liechtenstein und Schaum-burg-Lippe ein. Auch Preußen bewog seine Verbündeten, ebenfalls Be-vollmächtigte dahin zu schicken, um durch die Mehrzahl ihrer Stimmen,die Restauration des Bundestags zu vereiteln. Allein die beiden Hessenund Baden fielen von Preußen ab und so wurde in Frankfurt durch Mehr-heitsbeschluß der alte Bundestag wieder hergestellt (1. September). Den-noch erfocht die Radowitz'sche Politik einen Sieg, indem der General(27. September) das auswärtige Ministerium übernahm. Die öster-reichische Staatengruppe hielt dies für eine Kriegserklärung. Kaiser FranzJoseph veranstaltete deshalb in Bregenz (10—14. October) eine Zusam-menkunft mit den Königen von Württemberg und Bayern, wo ein Bündnißgegen Preußen verabredet worden sein soll. Da mischte sich der Kaiser von