3ſb Chafl. XxxXxVl. Von Gaͤrren.
neue Rinde herumb wachſen/ und der Stamm auff den andern Sommer dieHelfte ohngefehr herfuͤr kommen.
Wann nun die Pfropff⸗Reiſer/ den andern und folgenden Sommer/Neben Aeſte außtreiben/ ſo ſolle man ihnen dieſelbige benehmen/ und ſolcherGeſtalt beſchneiden/ daß ſie fein in die Hoͤhe/ ungefehr Mannes hoch/ treiben/alsdann laͤſſet man ihnen wieder neue Aeſte zur Außbreitung deß neuen Stam-mens/ diß aber ſolle man thun/ daß man die Neben⸗Aeſte benimmt vom erſtenbiß auffs ſechſte Jahr⸗.— 1
Nota. Ob gleich die niedrige Baͤume vielmehr a als andere tragen/wie man an den Zwergbaͤumlein ſiehet/ ſo ſeynd dieſelbige doch nichtſo dauerhafft undbeſtaͤndig/ als die jenigen/ ſo man in die Hoͤhe gezo-gen hat/ wie dann beydes die Erfahrung dem Hauß⸗Vatter ſelbſtenlehren und ihme zu erwaͤhlen/ welches er will/ hiemit frey geſtelletwird.
Weiter hat der ſorgfaͤltige Gaͤrtner auch in acht zu nehmen/ dafern et-wan das Pfropffreiß zwey Ruͤthlein getrieben/ ſo ſolle man eines hinweg ſchnei-den/ und das ſtarckere darvon ſtehen laſſen; dann ſo man ſie alle beode ſtehenlaͤſſet/ ſo verhindern dieſelbige nicht allein im Wachſen/ ſondern auch das Re-genwaſſer ſetzet ſich in die Gabel/ darvon alsdan die Baͤume faulen oder anderſtſchadhaftt werden.
Letzlich wann der Pfropff Reiß eines Fingers dick gewachſen/ ſo benimmetman demſelbigen alles geringere und neben gußgeſchoſſene/ das beſte laͤſſet manallein ſtehen/ welches dann auch bey dem Pfropffſtam deſſen neben Außtreibungin acht genommen werden ſolle/ daß man alle Nebenſchöſſung im Aprill oderBrachmonat mit einer ſcharffen Saͤgen/ jedoch ohne Verſehrung der Rinde/nahe an dem Stamm hinweg ſchneidet/ und alsdannden Schnitt mit obbe-ſchriebener Baumſalbe oder mit Laimen verſtreicht.
IX. Von Pfropff⸗Kuͤnſten hat der curteuſe Hauß⸗Vatter nachfolgendeAnmerckung.
1. Will man groß und wolgeſchmack Obſt haben/ ſo ſolle manAepffelzweig auff Aepffelſtaͤmm/ Einheimiſche auff Einheimiſche/ Wilde aufWilde pfropffen.
2. Daß ein Baum halb Nuͤß und halb Pfirſing trage/ ſo nimmtman von einem jedenein Aug/ und beſchneidet ſie beyde 8 viet als das ande-
re zu allernaͤchſt ſo man kan am Aug/ und beſchneidet darnach ein wenig die Ne-benſchoß/ wo derer erwan etliche vorhanden ſeynd/ faſſet und bindet ſie wol zu-ſammen/ und ſchneidet die obere Spitze ab/ pfropffet ſie obgelehrter maſſen/ ſowerden halb Nuͤß und halb Pfirſinge darauff wachſen.
3. Daß