Band 
Erster Band.
Seite
182
JPEG-Download
 

182

Zu derselben Zeit gieng endlich Hoche an derSpitze einer herrlichen und neu und gut orgauisirten Ar-mee bey Neuwied über den Rhein. Nachdem er überdie schwächere Armee Werneck’s eine Menge Vortheiledavon getragen hatte, zog er den 23. in Frankfurt ein.Mit gleichem Erfolge war Moreau den 20. bey Kehlübergegangen, und Starray, der sich nicht im. Standesah, ihn aufhalten zu können, war mit dem Degen inden Rippen bis Rastadt zurückgetrieben worden.

Hatten diese Uebergänge einen Monat früher Stattgefunden, so würden sie durch die einhundert und zwan-zig tausend Mann, die dann an den Inn hätten vorge-schickt werden können, dem Kriege eine entscheidendereWendung gegeben haben; es wäre der Republik einnoch vortheilhafterer Friede dadurch gesichert undVenedig vielleicht gerettet worden.

Ich beeilte mich, die Erbstaaten zu räumen undmeine Armee wieder auf das vehetianische Gebiet zuführen. Ich stellte mich, als ob diefs blofs aus Ge-fälligkeit für den Kaiser geschähe; allein eigentlichwar ich überfröh, m ich nun meinen Kommunikationenzu nähern. Die vom Senat von Venedig begangenenFeindseligkeiten waren ein wahrhaftes Glück für mich.Ich hatte Öestreich zu Leoben Ersatz für den Ver-lust von Kelgien und Holland versprochen, und wärein grofser Verlegenheit gewesen, sie zu finden, wenndas Benehmen der Venetianer mir nicht Gelegenheitverschafft hätte, über einen Theil ihres Gebietes verfü-gen zu können. Den 16. May besetzten unsere Trup-pen Venedig, hiebey begünstigt durch eine von demGesandtschafts - Sekretair Villetard angestiftete demo-kratische Revolution. Die oligarchische Regierungwurde aufgelöst. Die venetianischen Patrioten schmei-chelten sich einen Augenblick, ich würde ihnen die