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Eben so vergeblich bestürmte sie der Freidenker Tolandmit seinen dunkeln und verwegenen Lehrmeinungen.
Dagegen machten ihr die Schriften von Bayle, be-sonders das Dictionnaire, das man in Charlottenburgtrotz seines Folioformats und seiner gelehrten Ausstattungauf das eifrigste studirte, einen nicht geringen Eindruck.In den Regionen des Zweifels, der Gegensätze zwischenVernunft und Glauben, in welche dieser Autor führt,knüpfte sich das Verhältniß der Königin zu Leibnitz an,der keine leichte Aufgabe bei ihr hatte. Sie war dafürbekannt, daß sie das Unzureichende eines Beweises aufder Stelle fühle, die treffendsten Einwürfe vorbringe; esschien, als stelle sich ihrem Geiste bei jeder Behauptungdie ganze Reihe der daraus fließenden Folgerungen dar,und zwar auf einmal, in voller Deutlichkeit; da siedachte, so verstand sie zu fragen, sie forschte wie man ge-sagt hat, dem Grunde des Grundes nach; Leibnitz sahsich auf Untersuchungen geführt, auf die er sonst schwer-lich gekommen wäre; bei diesem Anlaß hat er die Grund-linien seiner Theodicee entworfen. Von der eigenen Handder Königin haben wir zu wenig übrig, um die Überzeu-gungen anzugeben die sie in sich ausbildete; sie gehörte zuden Naturen welche der Widerwille gegen alles äußerlicheWesen in der Religion eher auf die entgegengesetzte Seitetreibt'; aber sie war wohlthätig und leutselig, thcilnehmcnd
1. Doch sagt Viia 8npl,!se 6-i-oIae; Nz. wahrscheinlich von Leib-nitz selbst: „racoiliciulu pisrum precum in 8i»'i-itu er vooilste odiulit."