Band 
Erster Band.
Seite
423
JPEG-Download
 

423

bahren zur Seite setzte; verschmähte einen Verbündetender es nicht ganz sei. Ohne Zweifel werden Berichte, dieaus Mißverständniß hervorgegangen, widerwärtige Be-fürchtungen veranlaßt haben. Und da man jetzt mit Frank-reich im Bunde stand, dieses aber mit dem Hause Neu-burg, so daß nichts unbequemer und schwieriger wurde,als den Tractat von 1728 zu erfüllen, so mögen die Be-schwerden als eine nicht unwillkommene Gelegenheit er-schienen sein, sich der Pflichten, die durch denselben aufer-legt waren, zu einschlagen.

In den diplomatischen Gesprächen begannen die Ir-rungen. Der preußische Gesandte erinnerte einst, daß derKönig seine Verpflichtungen pünktlich erfüllt habe: derHofkanzlcr Graf Sinzcndorf zuckte die Achseln und ant-wortete, darüber wäre viel zu sagen.

Der König forderte den Wiener Hof auf, da nun beidem Frieden eine allgemeine Beilegung der in Europa nochobschwebenden Händel zu erwarten sei, seinen Verspre-chungen in der Mich-bergischcn Angelegenheit nachzukom-men; der König werde, wenn der jetzige Besitzer sterbe,nach dem Reichsherkommen unverzüglich den Civilbesitzergreifen lassen. Sinzcndorf sagte: das werde sich wohlfinden: er ließ sich auf keine nähere Besprechung ein; seinSchweigen war bedeutsam genug.'

1. Im Mai 1736 erwähnte der Wiener Hof der richterlichenDecision, die ihm zustehe; der König antwortete: der Allianztractatvon 1728 erfordere keine Decision, sondern das damals gegebene Ver-sprechen müsse casu erislonie sofort zum Effect gelangen. Darausobige Erklärungen Juni 1736.