232
Der Kern der Mannschaft bestand aus 12 alten Jnfan-teriebataillonen und 11 Cavallericregimentern, die großen-teils im letzten Kriege mit den Türken gefochten hatten. InWien, wo man die Thaten der Husaren, welche bisher die »meisten Scharmützel mit den Preußen zu ihrem Vortheil be-standen hatten, viel bewunderte, hoffte man alles von derÜberlegenheit der Reiterei: habe ste nur einmal die Ge-birge überschritten, so breite sich vor ihr die niederschle-sische Ebene bis nach Crosscn hin aus, die sie mit ihrenSchaaren überfluthen könne.
Graf Neipperg, dem der Oberbefehl anvertraut ward,früher Lehrer des Großherzogs und im engsten Ver-trauen des Hofes, war ein Mann, der an den Dingenauch noch eine andere Seite sah, als die meisten Men- .schen, Paradorien liebte, sich durch Witz und Sarkasmenbemerklich machte. Von der Unüberwindlichkeit seines Hee-res hatte er nicht eben die größte Vorstellung, obgleich eres an sich nicht für ein Wunderwerk hielt, den jungenFürsten, der bisher nur durch Poesie geglänzt habe, „zuApoll und den Musen" zurückzujagen; hauptsächlich truger Sorge sich der Geldzahlungen deren er bedurfte zuversichern; der Kanzler von Böhmen mußte ihm persön-lich für die Geldsummen gut sagen, für die er auf die-ses Königreich angewiesen war.
Gegen Ende März hielt der Hof sowohl als der Ge- *neral dafür, daß der Feldzug eröffnet werden müsse. Der