365
Neipperg nahm seinen Weg, von Schlesien kommend,über Olmütz nach Znaim; diesem schloffen sich die zer-streuten Abtheilungen an, zuerst Browne, dann einige ausBöhmen vor der Übermacht zurückweichende Regimenterunter dem Fürsten von Lobkowitz. Die in eifriger Rü-stung begriffenen Ungarn gewährten schon einige Un-terstützung, so daß sich der Großherzog mit vieler Zu-versicht — auch die Königin zeigte wieder „ein freudigesHerz" — zu Neipperg begeben konnte. Die zur Verthei-digung von Wien von allen Seiten zusammengezogenenund in diesen Platz geworfenen Truppen, bei denen ei-nige niederungarische Schaaren, bekamen jetzt freie Hand.Man hatte den muthigen Gedanken gefaßt, Italien füreinen Augenblick sich selber zu überlassen, und den größ-ten Theil der dortigen Regimenter über die Alpen zurück-zuführen, so daß sie mit den von Wien ins Feld rücken-den Truppen zusammen ein sehr stattliches Heer bildenkonnten.
Es ist augenscheinlich, wie so ganz die militärisch-politische Lage der Dinge hiedurch umgestaltet ward.
Schon kam es weniger darauf an, die Belagerungvon Prag zu unternehmen, die, wenn sie nicht sofort ge-lang, sogar verderblich werden konnte, als Oberöstreichund die in Besitz genommenen Kreise von Böhmen zubefestigen. Von jeher war die Gebirgslandschaft an deroberen Moldau, wo die drei Lande Östreich Böhmen