445
Wir sind fern davon ihm einen Vorwurf machen oderauch ihn vertheidigen zu wollen. In diesen ins Weitegerichteten Entwürfen, wo ein jeder sich seinen letzten Vor-theil vorbehielt, lebte und webte die ganze damalige Politik.
Einmal mag es wohl ausgesprochen werden, daß wir,die werdenden Ereignisse begleitend, ihre Gründe erfor-schend, doch nicht gemeint sind, den Zuständen und Be-strebungen dieser Zeiten einen unbedingten Werth beizule-gen, weder ihrer politischen noch militärischen Verfassung,weder ihren commerciellen noch ihren ökonomischen Ein-richtungen, ihrer religiösen Ansicht so wenig, als ihrer po-tischen Moral. Der ganze Kreis dieser Tendenzen, inwelchen sich alles gegenseitig bedingt, ist der historischenErforschung überaus würdig, eins der bedeutendsten Glie-der in der Folge der Jahrhunderte; aber schon lange ister wieder zersetzt und durchbrochen, durch große Geschickeder Vergangenheit anheimgefallen. Denn auch die Ideengehen vorüber; wir unterscheiden von denselben noch dieGeister, die sich in ihnen bewegen, sie mit hervor brin-gen, aber auch noch ein freies Selbst haben und nichtin ihnen aufgehen.
In Friedrich sehen wir eine Kraft der ersten Größe,wiewohl noch nicht von allem Zusatz geringeren Stoffesgereinigt, jedoch in sich selbst von ächtem und gediege-nem Gehalt: eine Intelligenz, der sich die Dinge undPersonen so darstellen, wie sie sind, denn sie flicht ihrerNatur nach den Irrthum, und die ihren ganzen Umkreis