Band 
Dritter Band.
Seite
106
JPEG-Download
 

hungen erschrecken; man möge sich doch nur einen Au-genblick an seine Stelle setzen; hätte man so viel An-theil an einem Werk, wie er an der Wahl des Kaisers,würde man dann wohl ruhig zusehen, daß ein solchesWerk zerstört würde? Er sei wie ein Mann, dem manankündige, man wolle ihm den Arm abschneiden, undder darauf antworte: sollte man es versuchen so werdeer sich wehren.

Man hat in Wien gesagt, der König von Preußennehme sich der Sache des Kaisers nur zum Scheine soernsthaft an; er suche nur einen Grund, um eine neueUnternehmung gegen die Königin zu beginnen. Unzäh-lige Briefe, Denkschriften, Entwürfe, Aufsätze der man-nigfaltigsten Art, von seiner Hand oder unter seiner An-weisung geschrieben, dem tiefsten Geheimniß vorbehalten,haben wir vor den Augen gehabt, nicht die leiseste Spureiner solchen Absicht haben wir darin bemerkt. Die Ge-reiztheit der gegenseitigen Stimmung mochte auch daherentspringen, daß man in Wien durch die Abtretung vonSchlesien gleichsam ein Recht auf die Nachgiebigkeit desKönigs in allgemeinen Angelegenheiten erworben zu ha-ben meinte; Friedrich dagegen, dem nichts aus gutem Wil-len gewährt worden war, nicht die mindeste Anwandlungzu einer solchen fühlte. Überdies aber wer könnte sichverbergen, daß hier die größten und wesentlichsten In-teressen einander gegenüber standen?