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Ludwig dem XV fehlte es weder an Talent noch an Bil-dung. Seine Briefe z. B. sind richtig gedacht und correctgeschrieben; in diesen ersten Jahren verrathen sie bei einemwohlftehenden Mißtrauen in die eigenen Kräfte, Nachden-ken und Theilnahme; sie enthalten zuweilen feine Bemer-kungen. ' Auch setzte er das Vorbild Ludwigs XIV nichtaus den Augen; dessen Selbstregierung, jedoch nach sei-ner Anweisung nicht ohne guten Rath zu suchen undanzunehmen, hätte er nachzuahmen gewünscht; — er klagtedarüber, daß ihn der Cardinal nicht tiefer in die Ge-schäfte eingeweiht habe, wahrscheinlich um sich die Lei-tung derselben ausschließend vorzubehalten, und sprach dieHoffnung aus, daß Leute von Geist und Verdienst, nichtmehr zurückgedrängt durch einen einseitigen Machthaber,der keine andere Auffassung dulden wolle als die seine,sich ihm, dem König, anschließen würden; es war seinEhrgeiz, die Dinge zu einem rühmlichen Ausgang zuführen. Wenn man die Frage, welche ein allgemeinespsychologisches Interesse hat, auswerfen wollte, worinder vornehmste Unterschied zwischen beiden Fürsten lag,so könnte man ihn nicht darin sehen, daß der jüngereLudwig ausschweifender gewesen sei; wenigstens in denfrüheren Jahren war dies nicht der Fall; oder minderstandhaft, er ließ nicht leicht von dem los, was er ein-mal ergriffen hatte; oder mit geringeren Hülfsquellen der
1. Einige sind in den Memoiren von Noaillcs gedruckt. PetitotBd. 73, S. LSI, 320 ff.