256
Pilgramshain versöhnten unter den Bäumen eines Gar-tens die Einwohner ihre kleinen Zwistigkeiten bei demDonner der Geschütze und dem Sausen der über sie weg-gehenden Kugeln.' — Gegen 7 Uhr war der linke Flü-gel bis nach dem Centrum allenthalben geschlagen. DichteLeichenhauftn bezeugten von Stelle zu Stelle die Heftig-keit des Widerstandes, den die Sachsen geleistet haben.
Noch aber stand die Hauptmacht der Östreichs un-besiegt im Felde; Prinz Carl hegte die Hoffnung, dieSchlacht wiederherzustellen, wenn es ihm gelinge, denPreußen in ihre linke Flanke zu fallen. Mit Fußvolkund Reiterei setzte er sich gegen das Dorf Thomaswal-dau in Bewegung, das diese indeß besetzt hatten. DerAnlauf seiner Reiterei war nicht sehr glücklich: sie wurdevon den Geschützen des Dorfes begrüßt, und gerietst aneiner andern Stelle in ein morastiges Bruchland; wo eszu einem Zusammentreffen- zwischen den beiderseitigen Cü-rassiercn kam, gewann Nassau an der Spitze der preußischenein entschiedenes Übergewicht. Das östreichische Fußvolkdagegen, von Leopold Daun angeführt, bei welchem aucheine Anzahl nicht zurückgegangener preußischer Deserteurediente, war in der That eine Zeitlang im Vortheil. DieGrenadiere waren in den Gräben postirt; die vorrücken-den Preußen, die nur eben erst ihre Linie so weit aus-gedehnt hatten, wurden mit einem wohlunterhaltenen
1. Aus dem Schöppenbuche von Pilgramshai'n; bei Lützow: dieSchlacht von Hohenfriedberg oder Striegau, 138.