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Unerhörte geschehen; ein königlicher Befehl war in derHauptstadt des Landes übertreten worden. In der Auf-wallung hierüber, die von allen Winkelzügen, die dabeivorgekommen, noch gesteigert wurde, ließ der König dasLibell Voltaires durch Henkershand an den Straßeneckenvon Berlin verbrennen.
Voltaire war zu sehr Schriftsteller von Fach, nichtsals ein solcher, als daß er sich die Freiheit literarischerPublicationen auf irgend eine Weise hätte beschränkenlassen wollen; Friedrich war zu sehr König, um eineMißachtung seiner Autorität unter seinen Augen jemalszuzulassen.
Hierauf war an kein längeres Beisammenbleibcn zudenken, obgleich man es versuchte. Die beiden Gegensätzestießen sogar nach der Trennung noch einmal zusammen.Da Voltaire ein Eremplar der Gedichte Friedrichs mit-genommen hatte, das ihm in Frankfurt am Main ab-gefordert wurde, so gab es dort eine widerwärtige Scene,in welcher die Schlangcnwindungen des Schriftstellersin einen ungleichen Kampf mit dem trockenen Diensteifereines preußischen Beamten gerkethcn', der ein unange-nehmes Aufsehen in Europa machte.
Friedrich hat später einmal gesagt, er hätte sich umdiese Sache nie bekümmern sollen, es sei ihm gegangenwie einem der zwei Kämpfende aus einander bringenwill und dabei selbst einen Schlag bekommt. Indem
1. Freitags Berichte bei Varnhagen: Berliner Kalender 1845.