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des gestörten Hirnlebens hervorbringen können, dass sieSinnestäuschungen erzeugen, dass die Aufregung desGehirns Störungen in der Thätigkeit des Rückenmarks,als: Krämpfe u. s. \V. hervorruft. Diese allgemeinenGedankenkreise müssen also in der Weise der Unter-suchung unterworfen werden, dass wir wo möglich nach-weisen, wie sie überhaupt in sich die Keime zum Wahn-sinn tragen, wie ihre rein abstrakte Beschaffenheit inihrer Ilineinwirkung in die menschliche Seele diesewahnsinnig machen kann. Dieser Nachweis ist noth-wendig und erleichtert im Einzelnen das Verständniss,wie nach organischen Bedingungen ein bestimmtes In-dividuum, das sich vorwaltend dem Einflüsse eines Ge-dankenkreises hingegeben, wahnsinnig werden musste.Wenn es uns z. B. gelungen ist, zu entwickeln, wiedas Anachoretenleben, das Mönchsthum mit seinem Prin-cip der Ertödtung der Sinnlichkeit, mit seinen fortwäh-renden Abstraktionen, mit seiner einseitigen Ausbildungdes Gemüthes, mit seinem Sporn zu einer in’s Maass-lose gehenden Uebcrschwänglichheit der Gefühle an derSinnlichkeit sich rächte und dem durch Abstraktionenermüdeten und abgehetzten Geiste Sinnestäuschungenaufzwingen muss, so werden die krankhaften Erschei-nungen Einzelner nicht mehr als etwas Räthselhaftcs,weil Isolirtes erscheinen, sondern als ein nothwendigesGlied in einer organischen Entwicklung. Man sieht,wie sich hier die Geschichte der Psychiatric zu einerMenge anderer Erörterungen entschliessen muss, um voll-ständig zu werden. Sie kann dabei ganz ohne Bcsorg-niss sein, dass sie aus sich heraustrete-, sie muss nurvon spitzfindigen Grübeleien sich fern halten und darfauch an den äussevsten Grenzen ihrer Untersuchungenniemals vergessen, dass sie immer nur menschliche Ge-danken zum Vorwurf ihrer Beschäftigung machen soll.
Eine Klippe ist hauptsächlich zu vermeiden. Schwär-merei und Irrthum ist kein Wahnsinn; um es zu wer-den, sind noch besondere individuelle Verhältnisse noth-wendig. Wenn wir Schwärmerei so obenhin schon für